Serie Risikonomics
Untergang im Paragrafensee

Manager machen Fehler - auf sie können hohe Summen zukommen, wenn sie dafür haften müssen. Der Jurist Michael Hendricks berät Unternehmen als Spezialmakler beim Abschluss von Managerhaftpflichtversicherungen und zeigt, wie sich Manager gegen diese Gefahr schützen können.

FRANKFURT. Sein erster großer Fall begann wie eine normale Firmenübernahme, entwickelte sich dann zum Wirtschaftskrimi und beschäftigt Michael Hendricks bis heute: 2001 kaufte die iranische Industriellenfamilie Alaghband das Duisburger Metallunternehmen Klöco über ihre in London ansässige Balli-Group. Der Preis: 271 Millionen Euro. Den wollten die Brüder Vahid und Hassan Alaghband per Leveraged-Buy-out aufbringen. Das heißt: erst auf Pump kaufen und dann den Kredit aus der Unternehmenskasse begleichen. Doch in Deutschland ist dies beim Erwerb einer Aktiengesellschaft verboten. Klöco musste eine GmbH werden, das geschah aber erst nach dem Deal. Da aber hatten die Iraner schon 50 Millionen Euro bei Klöco herausgeholt, der Staatsanwalt ermittelte, Interpol fahndete per internationalem Haftbefehl, und nach vier Jahren klickten die Handschellen.

Doch nicht nur die Iraner kamen vor Gericht. Auch die ehemaligen Klöco-Vorstände sollten büßen. Pflichtverletzung lautete der Vorwurf, Schadensersatz in Millionenhöhe die Forderung, weil sie nicht aufgepasst hatten beim Verkauf. Begleichen sollte den Schaden die Haftpflichtversicherung, Hendricks als Makler regulieren. Doch der Versicherer, ein amerikanisches Traditionshaus, wollte nicht zahlen und focht die Police an. Inzwischen verhandelt man über einen Vergleich.

Mit Haftungsrisiken kennt sich der Jurist Hendricks aus: Seit 1994 berät er Unternehmen als Spezialmakler beim Abschluss von Managerhaftpflichtversicherungen, so genannten D&O-Policen. Hendricks ist ihr Deutschland-Pionier und inzwischen fast so etwas wie die Nemesis der Versicherungsbranche. Denn er sorgt dafür, dass die Deckung dicht ist, wenn Manager sich verantworten müssen wegen fahrlässiger Fehlentscheidungen.

Geht es vor Gericht, übernimmt normalerweise die Versicherung die Kosten für Rechtsanwalt, Strafverfahren und sogar Schadensersatzzahlungen bis zur vereinbarten Deckungssumme. Die liegt laut einer Studie des Kölner Versicherungsberaters Towers Perrin Tillinghast im Durchschnitt bei knapp 50 Millionen Euro. "Aber die meisten Policen sind löcherig wie ein Schweizer Käse", schimpft Hendricks.

Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn man als Manager nicht mitbekommt, dass etwas schiefläuft. Es passierte damals, kurz nachdem er sich mit dem Schadens-Vorstand seines damaligen Arbeitgebers, des Kölner Versicherers Roland, überworfen hatte und sich Knall auf Fall selbstständig machte - mit nichts als drei hungrigen Jungen, die zu Hause saßen. Damals, als sein Geschäftspartner und seine Sekretärin Gefallen aneinander fanden und an der Firmenkasse. Und während Hendricks Klinkenputzen ging bei Unternehmensvorständen, die noch nie etwas von D&O gehört hatten und im Vertrauen auf die Seilschaften der Deutschland AG häufig abwinkten, plünderten die beiden das Unternehmen. Erst als Hendricks nach Monaten mit viel Fahrerei und gerade einmal einem halben Dutzend Abschlüssen eine Mahnung ins Haus flatterte, wachte er auf. Die Telefonrechnung war seit Monaten nicht bezahlt. Hendricks traute seinen Augen nicht, nahm sich die Bücher vor und prüfte jede Einnahme und jede Ausgabe. Nach drei langen Nächten wusste er, dass er fast pleite war.

Heute, mit einem Umsatz von rund fünf Millionen Euro und 30 Mitarbeitern in Hamburg, München und Düsseldorf, nennt er das eine wertvolle Erfahrung. Denn umso besser kann er sich heute hineinversetzen in die Not der Vorstände und Geschäftsführer, die Angst haben, dass es ihnen ganz genauso gehen könnte. Dass sie dann haften müssten, weil sie nicht aufgepasst haben, weil sie vielleicht geschwiegen haben oder gar nichts mitbekamen von Lug und Trug und Tricksereien.

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