Serie: Strategie-Galerie (5)
Technologiewechsel-Musterfall Cisco

Was den Ritter widerfuhr, bezeichnen wir als „disruptive Technologien“: Technologien, die eine ganze Branche auf einen neuen Standard bringen. In der Telefonie gab es in den 90er Jahren eine solche Entwicklung.

ae DÜSSELDORF. Was den Ritter widerfuhr, bezeichnen wir als „disruptive Technologien“: Technologien, die eine ganze Branche auf einen neuen Standard bringen. In der Telefonie gab es in den 90er Jahren eine solche Entwicklung. Beim Telefonieren wurde bis dahin für zwei Gesprächspartner eine Leitung komplett blockiert. Die großen Hersteller von Vermittlungsanlagen bauten diese immer größer und effizienter.

Ein Erfinderpaar aus Stanford jedoch hatte 1984 eine völlig andere Idee: Warum eine ganze Leitung für ein Gespräch blockieren? Warum nicht das Gespräch in kleinste Pakete zerteilen, in aufgelöster Form über das Netz schicken und am Ende wieder zusammensetzen?

Ein erbitterter Kampf entstand zwischen der zentralistischen Techniklogik gigantischer Vermittlungsanlagen und der Logik dezentraler, kleiner Pakete. Zunächst schien es, dass die Stanford-Forscher ein Killer-Argument gegen sich hatten: Sprache sei aus Gründen der akustischen Qualität nicht zu zerpflücken wie Daten.

Heute ist klar, dass „voice“ nichts anderes ist als „data“. Und der US-Konzern Cisco, der aus der Erfindung des Professorenpaares hervorging, produziert Weichen, Kreuzungen und Verkehrsregeln, die Netzknoten und -verbindungen so steuern, dass Milliarden von Gesprächs- und Datenfetzen wieder da zusammenkommen, wo sie gebraucht werden.

Zuerst verkaufte Cisco nur an Industrieunternehmen, danach an Newcomer der Telekom-Branche, und erst später an Telefonkonzerne. Diese erlitten zunächst erhebliche Einbußen. Nach zehn Jahren jedoch stehen diejenigen von ihnen wieder besser da, die beide Paradigmen vereinen können. Dennoch: Das Zeitalter großer Vermittlungsanlagen ist für immer vorbei.

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