Serie: Strategiegalerie (19)
Ein Stern, der immer wieder neu aufsteigt

Ihre Popularität ist erstaunlich, ihre Fans sind ihr geradezu fanatisch treu - und das seit nahezu zwei Jahrzehnten. Die Karriere von Pop-Star Madonna lehrt viel über über Produktlebenszyklen.

Wahrscheinlich würden nur wenige Menschen Madonna Louise Verinica Ciccone – besser bekannt unter dem Künstlernamen Madonna – für eine talentierte Sängerin, Schauspielerin oder Musikerin halten. Ihr fehlt die Stimme von Whitney Houston, die tänzerische Begabung von Janet Jackson und das kompositorische Talent von Sinead O’Connor. Zwar ist sie unzweifelhaft attraktiv, aber wenige würden sie als atemberaubende Schönheit bezeichnen.

Was ist es aber dann, das bei ihr zu solch erstaunlicher Popularität und fanatischer Treue ihrer Bewunderer geführt hat? Wie hat sie es geschafft, in dem harten, flatterhaften Unterhaltungsgeschäft einen so andauernden Erfolg zu erzielen?

Trotz ihrer neuen Beziehung mit dem Regisseur Guy Ritchie, des Umzugs nach London, einer zweiten Schwangerschaft und ihres zweiundvierzigsten Geburtstags hat sich mit dem Jahrtausendwechsel die Karriere von Madonna nicht verlangsamt. Im Jahr 2000 kam ihr Film „Next Best Thing“ heraus, landete sie einen großen Hit mit ihrer Neuaufnahme von „American Pie“, bekam sie einen Grammy für ihr Lied „Beautiful Stranger“ und veröffentlichte ihr Album „Music“. Nach zweieinhalb Jahrzehnten an der Spitze der Branche ist Madonna noch immer die bestverdienende Entertainerin der Welt.

Madonna ist nicht das Produkt irgendeiner Media-Organisation oder das Protektionskind eines Entertainmentmoguls. Ihr Erfolg ist das Ergebnis eigener Anstrengungen und eigener Planung.

Um ihre Musik-Karriere zu beginnen, flog sie 1982 nach Los Angeles und überredete Freddie de Mann, den Manager von Michael Jackson, sie zu betreuen und Jackson letztlich fallen zu lassen. Seitdem hat sie Allianzen mit vielen Persönlichkeiten und Organisationen geschlossen, hat Liebesbeziehungen genutzt, um in bestimmte Geschäfte hereinzukommen.

Madonnas Drive und ihre Entschlossenheit haben ihr ganzes Leben bestimmt. Schallplatten, Konzerte, Videos, Filme und Bücher folgten der Hingabe an ein Ziel: ein Superstar zu sein. Sie ist ein Workaholic, kommt mit wenig Schlaf aus und nimmt nur selten Urlaub.

Wie Evita Peron, die Madonna in ihrem Film „Evita“ porträtierte, hat auch sie die Besessenheit, sich von ihren bescheidenen Wurzeln zu lösen, den Ehrgeiz, nach oben zu kommen, die Schlauheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Finesse, ihren Sex Appeal strategisch einzusetzen.

Anstatt so zu tun, als ob sie übernatürlich begabt sei, entwickelt Madonna aggressiv die Fähigkeiten, die sie hat: Vitalität, Intelligenz, Entschlossenheit und die Bereitschaft zu harter Arbeit. Ihre Strategie gründet auf einfachen Zielen, konsequent und langfristig.

Sie hat eine profunde Kenntnis ihres Wettbewerbsumfeldes, eine objektive Einschätzung ihrer Ressourcen und die Fähigkeit, sich immer wieder selbst neu zu erfinden. Seit ihrem Straßenkind-Look in den frühen 80er Jahren hat sie etliche Reinkarnationen durchgemacht: Den Glam-Rock-Look der späten 80er, den Marilyn-Monroe-Retro- Look, ihre Hardcore-Sexualität der frühen 90er und das weichere, spirituelle Image, das ihr die Mutterschaft ermöglichte.

Fazit: Bolko von Oettinger

„Sich immer wieder selbst zu erfinden, das ist die Lebenskraft von Organisationen, die auf Dauerhaftigkeit angelegt sind. Ihre Energien sind Kreativität, Originalität und Disziplin. Im großen Wurf und in der Aufmerksamkeit für Details vereinen sich Strategie und Operatives zu einer gemeinsamen Aufgabe.“

Das Buch dazu: Madonna, Robert M. Grant, Blackwell Publishers, Oxford, 2001.

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