Serie „Familienbande“: Miele
Die vierte Generation

Markus Miele und Reinhard Zinkann brechen ungeschriebene Gesetze, um die Tradition bei Miele in Gütersloh zu wahren.

GÜTERSLOH.Langsam dreht Markus Miele das "Ei des Columbus" in seiner rechten Hand. Die Auszeichnung der Stiftung Innovation hat der 36-jährige Spross der Miele-Gründerfamilie vor einigen Wochen in Empfang genommen: für die Schontrommel der Miele-Waschmaschinen. "Miele ist eine Erfinderfirma - damals wie heute", sagt der studierte Wirtschaftsingenieur mit dem feinen, braunen Haar und der hohen Stirn über blauen Augen mit Blick auf das glänzende Ei aus Glas.

"Miele ist ein Premiummarkenhersteller - damals wie heute", beschreibt es Reinhard Zinkann. Der 46-jährige Betriebswirt im Dreiteiler mit Einstecktuch und der filigranen Brille vertritt die zweite Gründerfamilie von Miele, das diskrete "Cie." im Firmennamen.

Was seinem Kompagnon Markus Miele das Ei des Columbus, ist Zinkann der öffentlichkeitswirksame "Härtetest zur Fußball-WM": Im 1 000-Stunden-Dauerbetrieb zeigt eine Miele-Waschmaschine, was in ihr steckt.

Der Techniker und der Kaufmann - eine Liaison, die beim ostwestfälischen Hausgeräte-Hersteller schon seit mehr als einem Jahrhundert und in vierter Generation funktioniert. 1899 taten sich der Konstrukteur Carl Miele und der Handelsvertreter für Eisenwaren Reinhard Zinkann zusammen und gründeten "Miele & Cie". Von Anfang an setzten die Entrepreneure nicht darauf, konkurrenzlos billige Milch-Zentrifugen und Holzbottichwaschmaschinen zu bauen. Stattdessen sollten die Maschinen weniger reparaturanfällig sein und länger halten.

Dem Diktat der Qualität beugen sich auch die Urenkel, die den Konzern seit Ende 2004 führen. Ganz so, als ob es keine Zulieferer gäbe, leistet sich Miele im Stammwerk weiter eine Stanzpresse, eine Lackiererei sowie eine Gießerei. Die Fertigungstiefe erreicht 60 Prozent. Und allein im Bereich Elektronik arbeiten 250 Forscher und Entwickler.

Die Geiz-ist-geil-Mentalität bringt aber auch den Weiße-Ware-Riesen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 2,26 Milliarden Euro ins Schleudern. Ein ungeschriebenes Gesetz ihrer Vorfahren brechen die Youngsters deshalb bereits wenige Monate nach ihrem Start. Im Februar kündigen sie an, sich von zehn Prozent der deutschen Belegschaft - 1 077 Mieleaner - zu trennen. Der erste Stellenabbau in der 106-jährigen Geschichte des ostwestfälischen Industrieimperiums.

Zu einem Aufschrei in der Belegschaft kommt es nicht. Erstens, weil vereinbart wird, dass sich die geplante Zahl der betriebsbedingten Kündigungen bei einer guten Auftragslage wieder reduziert (was inzwischen schon geschehen ist). Zweitens, weil der Kündigungsschutz um ein Jahr, bis Ende 2007, verlängert wird.

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