Serie: Wirtschaftsanwälte
Gentleman mit E-Type

Christopher Kellett fährt einen der wohl legendärsten britischen Sportwagen, einen Jaguar E-Type. So britisch wie sein Auto ist auch der Besitzer – und dessen Job. Als Anwalt berät der 43-Jährige Brite Finanzinvestoren. Doch damit endet die englische Story auch schon. Denn Kellett arbeitet nicht irgendwo in der Londoner City, sondern in Frankfurt.

FRANKFURT. Die Motorhaube ist lang, unendlich lang. Vorsichtig, fast ein wenig zärtlich fährt der Mann mit dem Staubwedel über die elegant geschwungene Karosserie. „Das ist Henriette. Auf dem Rückweg von Brüssel fiel mir der Name plötzlich ein. Ich finde, so ein Auto muss einen Namen haben. Dieser passt gut zu ihr“, sagt Christopher Kellett und blickt stolz auf das elegante Blech vor ihm.

In der Tat, ein Auto wie dieses verdient einen Namen. Schon der Originaltitel lässt viele Herzen höher schlagen: Jaguar E-Type, hier in der Serie 2 mit 4,2-Liter-V6-Motor und bescheidenen 200 Pferdestärken. Es ist einer der wohl legendärsten britischen Sportwagen der 60er- und 70er-Jahre.

Ein typischer Roadster, very british. So wie sein Besitzer – Kellett ist Brite – und auch dessen Job. Als Anwalt berät der 43-Jährige für die internationale Sozietät Clifford Chance Finanzinvestoren, jene typisch angelsächsische Erfindung, die vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering so gerne als „Heuschrecken“ bezeichnet werden, bei Übernahmen.

Vor wenigen Tagen erst hat er die britische 3i-Gruppe beim Kauf des mittelständischen Unternehmens Euro-Druckservice beraten. Auch bei den richtig bekannten Deals war und ist er dabei, so beim Verkauf von BASF Drucksysteme an die Beteiligungsgesellschaft CVC.

Doch damit endet die englische Story dann auch schon. Denn Kellett arbeitet nicht irgendwo in der Londoner City, sondern in Frankfurt. Ein britischer Anwalt für ein britisches Geschäft in good old Germany? „Es macht einfach Spaß, gerade in Deutschland“, antwortet Kellett lachend – auf Deutsch. Das Geschäft boome und das Potenzial sei enorm, ergänzt der Mann und packt den Staubwedel zurück in das kleine Etwas, das wohl der Kofferraum sein soll.

„Vielleicht eine kleine Probe-fahrt?“ fragt Kellett mit einem Zwinkern. Klar! Alles andere käme ja Masochismus nahe. Schnell kommt man bei der Fahrt mit offenem Verdeck durch „Mainhattan“ ins Gespräch. Klar, so ein Auto – Traum vieler Männer und auch einiger Frauen – ist eine ideale Basis, eine Ebene, auf der sich gut begegnen lässt. Doch bei Kellett fällt das auch nicht schwer.

Ganz so ausschließlich britisch ist er nämlich gar nicht. Der „englische Gentleman“ begegnet seinem Gegenüber offen, freundlich, bodenständig. Er passt so gar nicht in die Schublade des distanzierten Briten. „Ich mag Deutschland, finde es sehr schön hier“, sagt Kellett. Natürlich, während der Fußball-WM im vergangenen Jahr habe er beim Blick auf die Klinsmänner das ein oder andere Mal heimlich gedacht: „Let them lose“. Aber wie die Deutschen sich präsentiert hätten – „das war schon toll.“

Schon früh kommt Kellett mit den „Germans“ in Kontakt und weicht auch hier von den üblichen Lebensläufen der meisten seiner britischen Kollegen ab. Um sein Budget aufzubessern, verpflichtet er sich als junger Mann für sieben Monate als Au-pair, hütet und versorgt in Winningen bei Koblenz die Kinder einer deutschen Familie. „Mein Deutsch war damals auf dem Niveau eines Kindes. Das passte also ganz gut“, erzählt er und grinst über beide Backen. Abends kellnert er in einer Kneipe, aus Spaß und Neugier.

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