Sicherheitsberatungen
Profiteure eines kriminellen Booms

Spezialberatungen, die Unternehmen vor Industriespionen, Saboteuren oder Entführern schützen, haben Konjunktur. Ihre Dienste sind nicht billig, aber noch viel teurer käme es, sich den Gefahren schutzlos auszuliefern. Wie die Spezialberatungen arbeiten.

MÜNCHEN. Christian Schaaf, Chef des Sicherheitsberatungsunternehmens Corporate Trust, arbeitet in einer Boombranche – aber ganz glücklich ist er darüber nicht: „Der Bedarf in der Wirtschaft an Sicherheitsdienstleistungen steigt, denn die Fallzahlen in der Wirtschaftskriminalität nehmen zu“, berichtet er. „Know-how aus Deutschland wird für andere immer interessanter, Industriespionage gehört zum traurigen Alltag.“

Corporate Trust aus München ist eines der wenigen Unternehmen in Deutschland, an die sich Firmen wenden können, um zu verhindern, dass ihre Manager erpresst oder entführt oder ihre Betriebsgeheimnisse gestohlen werden. Auch die öffentlichkeitsscheuen Sicherheitsfachleute der Firma Toribos in Hamburg und das britische Unternehmen Control Risks in Berlin gehören zu diesen Profis. Sie haben das Ermittlungsgespür von Detekteien, den Sachverstand alter Polizeiprofis und Unternehmens-Know-how.

Die erste Aufgabe der Sicherheitsberater ist meist eine Schwachstellenanalyse. Wie gut ist ein Firmengebäude gegen Eindringlinge abgesichert? Arbeitet der Werkschutz effektiv? Gibt es einen Krisenstab für die Katastrophe? Wer hat die Möglichkeit, die Produktion zu manipulieren? „Besonders das produzierende Gewerbe und Nahrungsmittelhändler sind für Erpressung und Sabotage anfällig“, weiß Schaaf.

Dann steht in der Regel das Sensibilisieren von Managern wie Mitarbeitern gegen Industriespione an. Schaaf: „Wir bereiten etwa Aussteller darauf vor, dass sie bei Messen immer öfter ausgeforscht werden“, so Schaaf. Die Sicherheitsexperten schulen zudem Manager vor Reisen in Krisenregionen, und sie ermitteln, welche Risiken vor Ort bestehen. Diese Präventionsmaßnahmen sollen verhindern, dass Mitarbeiter ausgeraubt, oder gar entführt werden.

Oft verlangen Versicherungsunternehmen, dass die Berater hinzugezogen werden, bevor sie bestimmte Projekte absichern. Und wenn doch der schlimmste Fall eintritt und ein Manager in die Fänge von Kriminellen gerät, fliegen die Berater notfalls binnen einer Stunde ins Krisengebiet. Dort schalten sie sich dann als professionelle Vermittler in die Verhandlungen mit den Entführern ein. Als Beratungsunternehmen für Unterhändler hat Control Risks seitdem mehr als 1 400 Entführungen begleitet. Heute setzt die Firma im Jahr rund 170 Millionen Pfund um und hat 19 Büros weltweit.

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