Sieben Fragen an Charles Elson
„Die Kosten übersteigen den Nutzen“

Charles Elson ist Direktor des Zentrums für Corporate Governance an der Universität Delaware. Mit dem Handelsblatt sprach der Experte für Unternehmensführung über das umstrittene Sarbanes-Oxley-Gesetz, seine Auswirkungen auf die Wirtschaft und die seine bevorstehende Änderung.

Die Kritik am Sarbanes-Oxley-Gesetz nimmt zu. Auch der neue US-Finanzminister Hank Paulson hat Reformbedarf signalisiert. Was wird sich ändern?

Möglich ist, dass die Börsenaufsicht SEC ihre Regeln abmildert. Insbesondere die Anforderungen des umstrittenen Gesetzesabschnitts 404 könnten etwas gelockert werden.

Warum ist gerade dieser Abschnitt so umstritten in der Wirtschaft?

Diese Regeln machen am meisten Arbeit und kosten am meisten Geld. Es geht dabei um den Aufbau eines internen Kontrollsystems. Vermutlich müssen die Firmen Milliarden dafür aufwenden, um den neuen Regeln zu genügen.

Wie sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung für das Gesetz insgesamt aus?

Sarbanes-Oxley war dazu gedacht, Bilanzbetrug in Unternehmen zu verhindern. Dem stehen die Kosten der Firmen dafür, den zahlreichen neuen Regeln Folge zu leisten, gegenüber. Und diese Kosten übersteigen in einigen Bereichen den Nutzen.

Wird Paulson auf eine Gesetzesänderung drängen?

Paulson hat darauf hingewiesen, dass die Kosten des Sarbanes-Oxley-Gesetzes in einigen Bereichen den Nutzen übersteigen. Ich rechne aber nicht damit, dass das Gesetz deshalb komplett geändert wird. Im Kongress wird viel geredet, aber es gibt keinen politischen Willen für eine Gesetzesänderung.

Sarbanes-Oxley hat auch eine neue Aufsichtsbehörde für die Wirtschaftsprüfer eingeführt. Wird sich daran etwas ändern?

Nein, das glaube ich nicht. Die neue Behörde ist keine schlechte Idee und hat sich bewährt.

Versuchen die US-Behörden nicht, Sarbanes-Oxley in alle Welt zu exportieren?

Die Beschwerden der europäischen Firmen sind zum Teil berechtigt. Andererseits gibt es zu dem Trend, der in den USA gesetzt wurde, keine wirkliche Alternative. Überall werden die Aufsichtsbehörden diesem Beispiel folgen.

Aber zeigt nicht die Abwanderung von Börsenkandidaten zu anderen Finanzplätzen wie London und Hongkong, dass Sarbanes-Oxley der US-Wirtschaft schadet?

Ich kann Unternehmen nur warnen, sich durch die Abwanderung dem Druck der Regulierung zu entziehen. Das wird nicht funktionieren.

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