Sieg für das Sportsponsoring
Freispruch für Utz Claassen

Das Landgericht Karlsruhe hat den früheren EnBW-Chef Utz Claassen von sämtlichen Korruptionsvorwürfen wegen der WM-Ticketaffäre freigesprochen. Die Versendung von Gutscheinen für die Fußball-WM 2006 an sieben Politiker war nach einem Urteil des Landgerichts Karlsruhe keine strafbare „Klimapflege“.

STUTTGART. Claassen nutzte die Entscheidung, sich in Szene zu setzen. Die Staatsanwaltschaft, die 450 000 Euro Geldstrafe (90 Tagessätze) gefordert hatte, sei "grandios gescheitert“, sagte Claassen mit sichtlicher Genugtuung. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Presseberichten Ermittlungen aufgenommen und schließlich Anklage erhoben. Der vor wenigen Wochen bei der EnBW vorzeitig ausgeschiedene Vorstandschef, der noch keinen neuen Job angenommen hat, hielt noch während seiner Amtszeit voll dagegen, veranstaltete Pressekonferenzen zu diesem Thema.

Dabei ging Claassen nicht gerade geschickt vor. Er nannte Namen von Leuten, die bei der EnBW "gern gesehene Gäste“ bei Bundesligaspielen seien. Was wiederum Berichte in der Presse zur Folge hatte. In Baden-Württemberg verursachte die Affäre großen Wirbel. Unternehmen blieben auf ihren Sponsorenkarten sitzen, weil Gäste sich nicht mehr trauten, diese anzunehmen. Nur Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und Ernst Pfister, Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, nahmen die Einladungen zunächst an, gaben sie aber nach öffentlicher Kritik zurück.

"In der Einladung durch einen Sponsor zu öffentlichen Veranstaltungen ist grundsätzlich keine Vorteilsgewährung zu sehen“, sagte der Vorsitzende Richter Hans Fischer gestern. Die Staatsanwaltschaft hatte die Einladungen, die Claassen mit der Weihnachtspost 2005 verschickt hatte, als strafbare "Klimapflege“ eingestuft. Denn die beschenkten Politiker hätten zum Beispiel bei der Atomaufsicht und beim Emissionshandel dienstlich mit dem Karlsruher Energiekonzern EnBW zu tun gehabt.

Die Karlsruher Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Revision einlegen wird. Nach den Worten ihres Sprechers Rainer Bogs handelt es sich bei der Abgrenzung zwischen erlaubten Einladungen und strafbarer Klimapflege um eine schwierige Rechtsfrage: "Es scheint ein Bedürfnis für die Klärung dieser Rechtsfrage zu geben.“ Utz Claassen hingegen lobte das Urteil gestern als einen großen "Sieg für das Sportsponsoring in unserem Land“.

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