Siegen wie Obama
Internetkampagnen: Herzstück oder Hysterie?

Der Online-Wahlkampf des neuen US-Präsidenten Barack Obama hat Maßstäbe gesetzt. In einer fünfteiligen Serie beschreiben wir die Folgen für die deutsche Parteienwerbung im Superwahljahr 2009. Heute: Wie die Werbeagenturen auf das amerikanische Vorbild reagieren.

DÜSSELDORF. Vergangene Woche war es so weit - die CDU launchte ihre neue Internetseite. Die in Orange getauchte "Startrampe für politisch Aktive" (O-Ton Generalsekretär Ronald Pofalla) soll ein neues Zeitalter im Internetwahlkampf der Christdemokraten einläuten. Gleich auf der Startseite liegt der Button für das "Team Deutschland", jener Mitmachecke, in der sich bislang etwa 4 500 Mitglieder versammelt haben. Gleich daneben der Button für das Videoangebot CDU TV, in dem sich zum Beispiel der Ortsverband Leipzig auf regennasser Straße präsentiert.

Nicht nur die CDU, auch alle anderen deutschen Parteien sind von dem furiosen Onlinewahlkampf des US-Präsidenten Barack Obama elektrisiert - und versuchen, ihn mehr oder weniger gekonnt zu kopieren. Dass dies Politiker allein nicht schaffen, ist klar, deshalb stehen ihnen Werber und Onlineprofis zur Seite.

Im Fall der CDU hat die Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe den Hut auf. Ihre Expertise in Sachen Onlinemarketing ist nicht gerade gering, sie zählt Unternehmen wie Google, Otto und Bionade zu ihren Kunden. "Internet ist bei uns keine Randerscheinung", sagt Agenturmitinhaber Stephan Rebbe. Um sich auf seinen Parteienauftrag vorzubereiten, flog er kurz vor dem US-Wahltermin in die Staaten und schnupperte dort Wahlkampfatmosphäre. "Ich war maximal verstrahlt, als ich zurückkam", erzählt er begeistert. Doch er räumt auch ein: So richtig eins zu eins lasse sich das amerikanische Vorbild auf deutsche Verhältnisse nicht übertragen. "Die Amerikaner haben das Internet stärker in ihren Alltag integriert, da sind sie weiter als wir."

Dennoch: Der Wahlkampf in Deutschland wird eine deutliche Internetkomponente beinhalten - bei allen Parteien. Die Bandbreite ist groß: Es gibt Internetseiten mit eigener Community, Politiker, die bei Portalen wie Facebook, Xing oder StudiVZ registriert sind sowie Abgeordnete, die den Kurznachrichtenkanal Twitter bedienen. "Wichtig ist die Rückkanalmöglichkeit", weiß Werber Rebbe. Man könne sofort ein persönliches Verhältnis aufbauen. "Das kann auch wehtun - Obama hat das konsequent zugelassen."

Dabei gibt es große Unterschiede in der Internetaffinität der Wählerschaften. Der CDU-Wähler beispielsweise steht nicht gerade in dem Ruf, ohne Internet nicht leben zu können. Ganz anders das Image der Grünen. "Grünen-Wähler haben mit Abstand die größte Internetaffinität", sagt Bernd Heusinger, Kreativchef der Werbeagentur Zum Goldenen Hirschen, die den Auftritt der Ökopartei betreut.

Und auch viele Grünen-Politiker sind schon "drin". "Wir mussten denen nicht erst erklären, was Facebook ist", sagt Heusinger. Trotzdem stellt der Kreativchef, der Kunden wie Real und Amnesty betreut, klar: "Wir werden sicher nicht den Fehler machen, den Obama-Wahlkampf zu kopieren. Man kann hier zum Beispiel nicht von Tür zu Tür gehen und Leute zum Mitmachen motivieren." Aber man könne versuchen, den positiven Spirit herzustellen.

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