Siegen wie Obama
Mit Google Maps auf Wählerfang

Der Online-Wahlkampf des neuen US-Präsidenten hat Maßstäbe gesetzt. In einer fünfteiligen Serie beschreiben wir die Folgen für die deutsche Parteienwerbung im Superwahljahr 2009. Heute: das Marketingvorbild Barack Obama.

MÜNCHEN. Es war der Moment, in dem Jack Hidary klar wird: Da passiert etwas. Es ist sein erster Tag als Helfer bei der Präsidentschaftskampagne von Barack Obama. Und vor dem Umweltaktivisten liegen Ausdrucke des Kartenprogramms Google Maps. Schon beim verlorenen Präsidentschaftswahlkampf des Demokraten John Kerry hatte Hidary mitgearbeitet: "Damals hingen handgemalte Karten an der Wand, und es wurde überlegt, in welche Nachbarschaft Wahlhelfer geschickt werden könnten." Und nun: Keine Handmalereien, sondern Google Maps - inklusive einer Aufschlüsselung der einzelnen Wohnhäuser: Wo leben Unterstützer der Demokraten-Partei? Wo Spender? Wo Zweifler? Wer ist in Social Networks politisch aktiv? "Das war etwas völlig anderes als bei Kerry", erinnert sich Hidary auf dem Münchener Zukunftskongress DLD.

Der als Außenseiter gestartete Barack Obama stieg innerhalb von anderthalb Jahren zum mächtigsten Mann der Welt auf - und hat dabei das Internet so geschickt und erfolgreich genutzt, wie niemand vor ihm: Wahlkämpfe werden künftig nie mehr so sein, wie sie waren. Auch in Berlin wird gegrübelt: "Jeder träumt davon, den Obama zu machen", sagt ein Mitglied eines Online-Beratungsgremiums einer deutschen Großpartei.

Doch der Weg dahin ist weit: Bisher sind deutsche Parteien in Social Networks, Blogosphäre oder Videoplattformen Randerscheinungen. Bestenfalls. Beispiel: CDU. Die 50 Videos des parteieigenen Youtube-Kanals sahen bisher magere 93 000 Menschen, eine Gruppe auf Facebook bringt es auf 500 Mitglieder. Strategie? Nicht erkennbar.

Vor Obamas Online-Aktivitäten erstarrte dagegen sogar der Gegner in Person, Hillary Clintons Internetdirektor Peter Daou: "Dessen Operation wird künftig von jedem studiert werden." Obamas entscheidender erster Schritt Anfang 2007: die Gründung eines jungen Internetteams mit dem 27-jährigen Joe Rospars an der Spitze. Im Wahlkampf 2004 leitete der Web-Berater schon die Online-Aktivitäten des Demokraten Howard Dean, der als Erster substanziell Spenden über das Netz akquirierte. Dann kam Chris Hughes an Bord: Der 24-Jährige gehörte zum Gründungsteam von Facebook. Ebenfalls unerlässlich: Scott Goodstein, Mitte 30, Web-Politberater, kümmerte sich um mobiles Marketing, die preisgekrönte, ehemalige CNN-Produzentin Kate Albright-Hanna fungierte als Video-Chefin.

Was sie schufen, wirkt erschlagend: Über zwei Millionen Menschen meldeten sich beim neu gegründeten Social Network MyBarackObama an, über drei Millionen bekannten sich als Unterstützer bis zum Wahltermin bei Facebook. 14,5 Millionen Stunden Obama-Videos wurden auf Youtube abgerufen, rund eine Million Freunde machte sich das Profil beim Netzwerk Myspace. Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist Obama mit über 200 000 Lesern die weltweite Nummer eins.

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