Siegfried Gänßlen
Hansgrohes Schiri fürs Leben

Siegfried Gänßlen führt den Duschenhersteller Hansgrohe sicher durch die Krise - und eröffnet jetzt ihn Deutschland ein weiteres Werk.

SCHILTACH. Der Stürmer fällt im Strafraum: Elfmeter oder Schwalbe. Der Fußballschiedsrichter muss blitzschnell entscheiden. Siegfried Gänßlen hat das Hunderte Male erlebt. "Schnell und präzise eine Situation zu erkennen und zu bewerten, das hat mir später auch im Job geholfen", sagt der erste familienfremde Chef von Hansgrohe, dem weltgrößten Hersteller von Duschbrausen.

Bis in die dritte Liga hat ihn sein Hobby geführt. Sein Beruf bis an die Spitze von Hansgrohe im Schwarzwaldstädtchen Schiltach. Seit über einem Jahr leitet der gebürtige Schwabe mit dem frechen, grauen Schnauzer das Unternehmen. Es ist für ihn zwar noch ungewohnt, dass jetzt alle nach seiner Pfeife tanzen. Doch gestern bei der Eröffnung des sechsten deutschen Werks in Offenburg zeigt er, dass er in der Krise Akzente setzen kann. "Man muss nicht unbedingt nur in Billiglohnländern fertigen, um wettbewerbsfähig zu sein", sagt Gänßlen.

Hansgrohe produziert zu 80 Prozent in Deutschland bei gleicher Exportquote. "Unsere Kunden legen auf Made in Germany besonderen Wert", sagt der 63-Jährige. Hocheffiziente und variable Produktion sei das Erfolgsgeheimnis.

Gänßlen ist ein offener Typ. Krawatten trägt er ungern. Jahrelang war er nur der zweite Mann hinter Klaus Grohe. Der Sohn aus zweiter Ehe des Firmengründers Hans Grohe führte das Unternehmen lange. Parallel dazu gibt es die Grohe AG im westfälischen Hemer, die Friedrich Grohe 1936 gründete. Er war ein Sohn des Firmengründers aus erster Ehe. Anfangs teilten sich Hansgrohe (Duschköpfe) und Grohe (Armaturen) die Märkte. Später wurden sie erbitterte Rivalen und sind das bis heute.

Grohe ist größer, aber weniger profitabel. Seit Hansgrohe nicht nur Duschköpfe, sondern auch Armaturen baut, holt die Firma immer mehr auf. Sehr zum Gefallen des US-Konzerns Masco, der seit 2002 die Mehrheit im Schwarzwald hält. Klaus Grohe hatte die Amerikaner geholt, um andere Familienstämme auszuzahlen.

Das Verhältnis zum Großaktionär beschreibt Gänßlen als langfristig und unproblematisch. Kein Wunder: Im vergangenen Jahr erhöhte Hansgrohe bei leicht gestiegenem Umsatz (668 Millionen Euro) den Gewinn um gut sechs Prozent auf 78 Millionen Euro. In diesem Jahr fällt das Ergebnis jedoch bescheidener aus. "Wir werden aber weiter einen Gewinn erzielen", sagt Gänßlen. Und das trotz großer Probleme auf dem US-Markt. Dort musste er zuletzt 100 Mitarbeiter entlassen.

Als Gänßlen vor 15 Jahren im Schwarzwald startete, war das Unternehmen geprägt vom kreativen Geist Klaus Grohes. Kostenrechnung und Controlling lagen im Argen. "Ich habe sehr zur Stabilisierung beigetragen", sagt der 63-Jährige selbstbewusst. Das Führungsgespann funktionierte: Klaus Grohe war für die Produktideen zuständig, Gänßlen sorgte für die Umsetzung. "Für Kunden war es keine Überraschung, dass Grohe Gänßlen trotz des Alters zu seinem Nachfolger machte", sagt ein Branchenkenner.

Gänßlen muss mit seiner Erfahrung auch die Familieninteressen moderieren. Denn auf dem Posten des Vizechefs muss sich der 44-jährige Richard Grohe, ein Sohn Klaus Grohes, erst noch beweisen. Die beiden anderen Söhne des Seniors arbeiten ebenfalls in leitenden Funktionen unterhalb der Geschäftsführung.

Gänßlen führt mit klaren Ansagen, aber ziert sich nicht, Fehler zuzugeben. "Wenn Sie da immer Sündenböcke suchen, verlieren Sie auf Dauer den Respekt", sagt er. Damit das nicht zu oft passiert, verlässt sich der Chef des internationalen Controller-Vereins auf die Steuerung der Renditekennzahlen. Sie sind quasi seine Spielregeln. Da macht ihm keiner etwas vor. Und wenn, dann gibt es auch mal einen lauten Pfiff. Ein guter Schiri braucht selten seine Karten.

Siegfried Gänßlen

1946: Er wird in Stuttgart geboren. Später macht er eine kaufmännische Lehre und studiert Betriebswirtschaft an der Verwaltungsakademie. Siegfried Gänßlen wird Geschäftsführer einer kleinen Firma.

1974: Er arbeitet in der Übernahmeabteilung der Unternehmensberatung Price Waterhouse.

1975 Er wird Finanzchef zunächst der Cooper Group, dann bei Karl Dungs und bei Hydraulik Ring in Nürtingen.

1995 Er wechselt zu Hansgrohe und wird bald Geschäftsführer.

2008 Im Mai wird er Vorstandschef.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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