Siegfried Russwurm Siemens-Vorstand bereit für Bahn-Chefposten

Bei Siemens war er überaus beliebt - nun könnte er Bahnchef werden. Siegfried Russwurm gilt als möglicher Nachfolger von Rüdiger Grube. Seine Ambitionen für den Posten knüpft er aber an eine Bedingung.
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Lange arbeitete er für Siemens - nun könnte er Bahnchef werden. Der Manager gilt als möglicher Grube-Nachfolger und zeigt sich zu Gesprächen bereit. Quelle: dpa
Siegfried Russwurm

Lange arbeitete er für Siemens - nun könnte er Bahnchef werden. Der Manager gilt als möglicher Grube-Nachfolger und zeigt sich zu Gesprächen bereit.

(Foto: dpa)

MünchenDer scheidende Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm ist möglicher Kandidat für den Vorstandsvorsitz bei der Bahn. „Es ist eine große Ehre, im Kandidaten-Kreis für den Chef-Posten bei der Deutschen Bahn genannt zu werden“, erklärte Russwurm gegenüber dem Handelsblatt. Laut Industriekreisen ist der Manager grundsätzlich zu Gesprächen bereit. Aufgrund der Erfahrungen bei Siemens sei es ihm aber wichtig, dass vertrauensvoll im Vorstand zusammengearbeitet werde. Dies könnte ein Hinweis sein, dass Russwurm nur im Konsens mit Bahn-Vorstand Ronald Pofalla antreten würde, der ebenfalls als Kandidat für den Chefposten gilt.

Russwurm hatte auf eigenen Wunsch seinen Vertrag bei Siemens nicht verlängert. Es gab Spekulationen, dass sein Verhältnis zu Siemens-Chef Joe Kaeser nicht das beste gewesen sein soll. Im Unternehmen ist Russwurm, der Industrie- und Digitalisierungsexperte ist, ausgesprochen beliebt. So sagte der ehemalige Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler zum Handelsblatt: „Russwurm war immer sehr zuverlässig, er hatte Handschlagqualitäten.“ Bei der Bahn, wo die Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften eine starke Rolle spielen, könnte ihm dies nach Einschätzung in Industriekreisen helfen. „Die suchen ja einen Friedensstifter.“

Das „Manager Magazin“ hatte berichtet, dass Russwurm bei der Bahn im Gespräch ist. Der Manager erklärte dazu: „Für einen solchen Job bewirbt man sich nicht, sondern wird nach intensiver Prüfung ausgewählt.“ Diese Aufgabe liege beim Aufsichtsrat und letztlich dem Eigentümer – „das heißt in den Händen der Politik“.

Für diese Aufgabe sei ein „sehr breiter, parteiübergreifender Rückhalt neben der technisch-industriellen Expertise essentiell für den Erfolg des Unternehmens“. Nur so könnten die komplexen Herausforderungen bewältigt werden. „Und das geht nur in engem und vertrauensvollem Zusammenwirken zwischen dem gesamten Vorstand, der Politik – idealerweise im parteiübergreifendem Konsens – sowie den Sozialpartnern."

Mit diesen Kontrolleuren hat sich Ex-Bahnchef Grube überworfen
Utz-Hellmuth Felcht
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Seit 2010 ist Utz-Hellmuth Felcht Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Damals berief ihn die schwarz-gelbe Bundesregierung auf den Chefposten im obersten Kontrollgremium. Der studierte Physiker galt lange als Vertrauter von Ex-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Wie bei Rüdiger Grube verlief auch seine Vertragsverlängerung ziemlich holprig. Als Alexander Dobrindt (CSU) das Verkehrsressort übernahm, war die Fortsetzung seines Vertrag alles andere als selbstverständlich. Doch letztlich setzte sich Felcht als AR-Chef durch. Anders Rüdiger Grube. Der Bahnchef schmiss seinen Job hin, weil sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn seiner Meinung nach nicht an Absprachen gehalten haben soll. Grube wollte seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag eigentlich noch um weitere drei Jahre verlängern, der Aufsichtsrat bot ihm aber nur zwei Jahre. Verärgert zog sich Grube nun zurück.

Alexander Kirchner
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Kirchner ist stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Darüber hinaus steht er der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor. Als Gewerkschafter ist er darin geübt, Streit zu schlichten, zum Beispiel im Bahn-Tarifstreit im Jahr 2007. Doch zwischen Rüdiger Grube und dem Aufsichtsrat konnte wohl auch Kirchner am Ende nicht mehr vermitteln.

Michael Frenzel
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Der frühere Tui-Chef Michael Frenzel ist ebenfalls Mitglied im obersten Kontrollgremium der Deutschen Bahn. Zudem ist er Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft. In der Vergangenheit gehörte er auch schon anderen Aufsichtsräten an, etwa bei Volkswagen und der Nord LB. Er steht der SPD bis heute nahe.

Jürgen Großmann
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Jürgen Großmann gilt als Schwergewicht der deutschen Wirtschaft. Von 2007 bis 2012 war er Chef des Energieriesen RWE. Der Gesellschafter der Georgsmarienhütte Holding gehört derzeit auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn an. Großmann zählt immer noch zu den Top 100 der reichsten Deutschen. Einem Ranking des Manager Magazins zufolge betrug sein Vermögen im Jahr 2008 rund 1,35 Milliarden Euro. Während er für seinen Einsatz zur Sicherung des Stahlstandorts Georgsmarienhütte mit dem Courage-Preis ausgezeichnet worden ist, gibt es auch Kritik an der Arbeit des Bundesverdienstkreuzträgers 1. Klasse. Der Naturschutzbund Deutschland zeichnete ihn 2010 mit dem Negativ-Preis „Dinosaurier des Jahres Jahres“ aus, weil er sich für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken eingesetzt hat.

Ingrid Hengster
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Die Managerin Ingrid Hengster ist seit 2014 im Vorstand der KfW. Darüber hinaus ist sie Mitglied des obersten Kontrollgremiums der Deutschen Bahn. Die erfolgreiche Bankerin aus Österreich sitzt auch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Mit dem Jahrgang 1961 zählt die Mutter eines Sohnes zu den jüngsten Mitgliedern des Bahn-Aufsichtsrats.

Jürgen Krumnow
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Der ehemalige Tui-Aufsichtsratschef und Controlling-Chef der Deutschen Bank Jürgen Krumnow kennt das Manager-Dasein. Ebenso wie nun Rüdiger Grube verabschiedete er sich vorzeitig bei der Deutschen Bank. Sein Vertrag wurde dort 1999 nicht verlängert, weil ihn Vorstandskollegen schlicht für überfordert hielten. Dabei arbeitete er mehr als 30 Jahre für Deutschlands größtes Geldhaus. Auch vom Posten des Tui-Aufsichtsratschef verabschiedet er sich 2009 früher als gedacht.

Johannes Schmalzl
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Der Ministerialdirektor im Bundesministerium der Finanzen gehört ebenfalls dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn an. Der FDP-Politiker wurde 2011 für den Posten des Generalbundesanwaltes vorgeschlagen, nach einer öffentlichen Auseinandersetzung mit dem brandenburgischen Generalstaatsanwalt Erardo Cristoforo Rautenberg zog er seine Kandidatur zurück.

Siemens wollte sich nicht zu der Personalie äußern. Russwurm verlässt den Konzern Ende März. Bahnchef Rüdiger Grube hatte im Januar überraschend hingeworfen, nachdem er sich mit dem Aufsichtsrat nicht über die Länge seines neuen Vertrags einigen konnte. Ein Kandidat für die längerfristige Nachfolge war Pofalla. Es ist aber umstritten, ob er schon genug Erfahrung – im Führen wie in Sachen Bahn – hat.

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