Siegfried Wolf
Im zweiten Anlauf an die Spitze

Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf will den Rüsselsheimer Autokonzern Opel übernehmen. Der kanadisch-österreichische Zulieferer versucht noch einmal den Aufstieg in die Oberklasse der Autobranche.

WIEN. Siegfried Wolf kommt meist im dunklen Anzug und mit korrekt gebundener Krawatte daher. Doch die elegante Erscheinung ist nur die eine Seite. Wenn Wolf sich aufregt, schlägt sein eher ruhiger österreichischer Singsang in schneidende Tonfolgen um. So energisch verfolgt er auch seine Ziele.

Und bei Opel will es der österreichische Automanager jetzt definitiv wissen, nachdem er bei Chrysler mit seinen Übernahmeplänen gescheitert ist. Der 51-jährige Chef des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna startet einen zweiten Versuch, doch noch zu einem echten Autohersteller aufzusteigen.

Allzu schlecht stehen die Chancen für Wolf nicht. Die Bundesregierung in Berlin signalisiert erste vorsichtige Zustimmung, dass der Staat Magna finanziell bei einer Sanierung von Opel unterstützen könnte. Und Fiat, der andere Interessent der deutschen Tochter von General Motors, stößt bei Opel in Rüsselsheim überwiegend auf Ablehnung. Bahn frei also für Siegfried Wolf aus Oberwaltersdorf, dem kleinen Vorort von Wien?

Dem Magna-Chef könnte es helfen, dass er in der Autoszene bestens verdrahtet ist. Seit bald fünf Jahren steht Wolf an der Spitze des Unternehmens, mit knapp 25 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und etwa 70 000 Mitarbeitern eines der ganz großen Konzerne der Branche. Es gibt kaum einen Autohersteller, der seine Teile nicht aus einem der vielen Magna-Werke bezieht.

Wolf hat es im Gegensatz zu seinem Osnabrücker Konkurrenten Karmann geschafft, enge Beziehungen zu den großen Autokonzernen herzustellen, besonders zu BMW. Der Ex-Forschungschef der Bayern, Burkhard Göschel, arbeitet seit seinem Ausscheiden in München als Magna-Vorstand und wirft sich dort ins Geschirr. Bei Magna forciert er die Entwicklung von Elektroautos - ein ganz wichtiges Zukunftsgeschäft für einen Automobilzulieferer, auf das auch Wolf setzt.

Der gebürtige Steirer steht für Solidität und Zuverlässigkeit - Eigenschaften, die das Unternehmen groß gemacht haben. Karmann musste wie andere Zulieferer vor wenigen Wochen Insolvenz anmelden, Magna steht trotz krisenbedingter Einbußen immer noch deutlich besser da und kann es sich sogar erlauben, über Zukäufe nachzudenken. Jetzt steht Opel auf der Liste, erst im Februar hatte Magna für etwa 200 Millionen Euro einen Konkurrenten in Osteuropa übernommen. "Wir gehören zu den Unternehmen, die vorsichtig gewirtschaftet und rechtzeitig Vorsorge getroffen haben", sagt Wolf über sich und seinen Konzern. Auch von außen kommt Lob. Patrick Archambault, Automobilanalyst von Goldman Sachs, bescheinigt Magna, "der am besten aufgestellte Zulieferer in Nordamerika" zu sein.

Mit so viel Rückenwind lassen sich im Zweifel auch unpopuläre Schritte durchsetzen, wie es Siegfried Wolf gerade zu Hause in Österreich geschafft hat. Er rief die rund 8 000 österreichischen Magna-Beschäftigten wegen der Krise zu einem freiwilligen Gehaltsverzicht auf. Bereits die Hälfte der Belegschaft hat bis Wochenbeginn die Bereitschaft erklärt, bei der spektakulären Aktion mitzumachen. Wolf, ein harter, aber ehrlicher Verhandler, der mit sechs Geschwistern aufwuchs, konnte auch den Widerstand der Gewerkschaften umspielen.

"Die Magna-Belegschaft finanziert mit den Lohnkürzungen die Hobbys von Frank Stronach", kritisiert Norbert Schunko von der wichtigen österreichischen Angestelltengewerkschaft GPA. Aber die Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz waren stärker als die Anspielungen auf den mächtigen Magna-Gründer Frank Stronach und dessen Freizeitvergnügen.

Stronach war in den späten 50er-Jahren von Österreich nach Kanada ausgewandert und hatte dort den Grundstein für den späteren Magna-Konzern gelegt. Seine Bindungen an Österreich hat Stronach nie gekappt. Im Gegenteil: In seiner alten Heimat fördert er Fußballvereine und den Pferderennsport.

Stronach und Wolf jedenfalls gehen durch dick und dünn. Der Magna-Gründer, der inzwischen langsam auf die 80 zugeht, vertraut blind seinem Vorstandschef Wolf, dem Macher für das Tagesgeschäft. Wahrscheinlich hilft es, dass beide aus der östlichen Steiermark unweit von Graz kommen und - auch im übertragenen Sinn - eine sehr ähnliche Sprache sprechen.

Wolf hat eine klare Vorstellung davon, in welche Richtung sich Magna in den nächsten Jahren entwickeln soll. Er glaubt, dass die Autohersteller ihre Fahrzeuge in der Zukunft nur noch selbst entwerfen und entwickeln werden - die eigentliche Fertigung der Autos aber den Zulieferern überlassen. "Wie das auch Adidas und Puma in ihrer Branche machen", sagt ein Wolf-Vertrauter. Opel könnte für die Austro-Kanadier der erste wichtige Schritt in diese Richtung sein. Mit den Opel-Werken bekämen sie eine Kapazität für gut 1,5 Millionen Autos in die Hand.

Siegfried Wolf vertraut auf seine große Erfahrung mit der Produktion von Autos. Magna fertigt bereits heute Fahrzeuge im Auftrag verschiedener großer Hersteller wie BMW und Chrysler. Das allerdings mit vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Opel brächte den Durchbruch - und würde aus Wolf endlich den Chef eines richtigen Autoherstellers machen.

Mitarbeit: Mark C. Schneider

Siegfried Wolf

1957 Siegfried Wolf wird am 31. Oktober in Feldbach/Steiermark geboren. Er bricht das Gymnasium ab und macht eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Philips in Wien und die Meisterprüfung. Danach bildet er sich an der Bundeslehranstalt für Maschinenbau zum Ingenieur weiter.

1981 Wolf wechselt nach seiner Zeit bei Philips zu den Vereinigten Wiener Metallwerken und 1983 zur Hirtenberger AG.

1994 Er geht zu Magna und wird 2002 Executive Vice-Chairman von Magna International.

2005 Wolf wird Co-Chef von Magna International.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%