Siemens-Affäre bringt Kleinfeld in Bedrängnis
Der Makel des Verdachts

Die kritischen Zeiten werden noch kritischer. Noch ist Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in der Schmiergeldaffäre außen vor. In der öffentlichen Wahrnehmung aber steht er wieder im Mittelpunkt einer negativen Aufmerksamkeit, die dem Unternehmen insgesamt schadet. Auch intern hat das eine verheerende Wirkung.

HB MÜNCHEN. „Quartalsgespräche“ heißen im Siemens-Sprachgebrauch die Runden, in denen der Zentralvorstand die Bereichsvorstände nach Veröffentlichung der Quartalszahlen regelmäßig ins Gebet zu nehmen pflegt. Insofern schien der vergangene Mittwoch für Klaus Kleinfeld und seine Kollegen im Führungszentrum des Konzerns über dem Starnberger See ein viel versprechender Tag zu werden. Die Jahreszahlen hatten es positiv in sich, die nahe Zukunft schien prächtig zu werden wie das Wetter von Oberbayern.

Doch das Frühstücksbuffet war noch nicht eröffnet im schönen Feldafing, da braute sich im 50 Kilometer entfernten München schon wieder Unheil zusammen. Morgens um zehn nach sechs begann die Großrazzia der Staatsanwaltschaft München, die vor den Türen des Konzernchefs nicht Halt machte.

Auf die massive Aktion gegen ein offenbar weltweites Netz schwarzer Kassen war die Konzernführung nicht vorbereitet. Als die Fahnder am frühen Mittwochmorgen die Konzernzentrale besuchten, waren die Büros noch menschenleer. Was die drei Fahnder in Klaus Kleinfelds Büro eigentlich gesucht haben, darüber herrscht bis heute Unsicherheit. Nur so viel scheint klar: Mitgenommen haben sie nur zwei Dokumente, eine Gehaltsliste der Bereichsvorstände und ein Strategiepapier zur Zukunft des Geschäfts mit Telefonanlagen für Geschäftskunden, für das Klaus Kleinfeld zuletzt vergeblich einen Käufer gesucht hat.

Der Ertrag der Aktion steht damit wahrscheinlich in krassem Gegensatz zu der öffentlichen Wirkung. Seit vergangenen Mittwoch steht nicht nur der Siemens-Konzern als Hort schwarzer Kassen am Pranger. Erneut gerät mit der Schmiergeldaffäre auch Klaus Kleinfeld unter Druck. Und wieder hinterlässt der 49 Jahre alte Chef, der doch eigentlich als Beweger und Antreiber das Ruder übernommen hatte, den Eindruck, als sei er ein von den Umständen Getriebener. „Schrecklichem Gegenwind“ sehe sich Kleinfeld gegenüber, meint ein Aufsichtsrat, der es gut mit ihm meint.

Vor wenigen Tagen hat die Konzern-Pressestelle die Mitarbeiterzeitung „Siemens-Welt“ auch an ausgewählte Pressevertreter versandt. Der Grund war augenfällig: Das Titelbild zeigt einen lächelnden Aufsichtsratschef, der neben einem lächelnden Konzernchef sitzt, die dazugehörige Geschichte berichtet von der Führungskräftetagung in Berlin, auf der Kleinfeld und sein Oberkontrolleur und Vorgänger, Heinrich von Pierer, Bestnoten bei einer spontanen Mitarbeiterbefragung erhielten.

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