Siemens-Chef
Löscher, der unbekannte Österreicher

Als die Meldung über den Nachrichtenticker ging, dass Peter Löscher neuer Siemens-Chef wird, standen den Branchenexperten Fragezeichen in den Augen. Denn so gut wie niemand in Deutschland kennt den Österreicher. Wer ist der Mann, der den größten Technologiekonzern des Landes aus den Affären führen soll?

HB FRANKFURT. In der internationalen Industrie hat sich Löscher einen guten Namen gemacht – allerdings als Manager in der zweiten Reihe. In fast allen Ecken des Globus hat der Österreicher gearbeitet, auch in Deutschland. Er spricht drei Sprachen fließend und kann sich selbst auf japanisch verständigen. Schon in seiner Ausbildung – er studierte in Wien, Hongkong und Harvard – bereiste er die Welt.

Der 1957 in Villach geborene Wirtschaftswissenschaftler war von 1988 an rund 12 Jahre in verschiedenen Positionen beim Frankfurter Chemie- und Pharmakonzern Hoechst tätig. Unter anderem arbeitete er für Hoechst in den USA, Spanien, Großbritannien und Japan. Nach der Fusion von Hoechst mit Rhone-Poulenc zu Aventis im Jahr 1999 blieb Löscher noch zwei Jahre im Unternehmen.

2002 wechselte der dreifache Vater zum britischen Pharmakonzern Amersham. Nach dessen Übernahme durch General Electric rückte er in den Zentralvorstand des US-Mischkonzerns auf. 2006 wurde er in den Vorstand des US-Pharmariesen Merck & Co. berufen. Zuletzt verantwortete er dort Vertrieb und Marketing und war damit Chef von mehr als 35 000 Beschäftigten.

Bei Siemens wird Löscher nun Chef von 470 000 Mitarbeitern. Ein guter Draht zu ihnen ist für den Nachfolger des von der Korruptionsaffäre hinweggefegten Klaus Kleinfeld nicht zuletzt wegen der starken Rolle der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat wichtig. Die jedenfalls haben haben den Eindruck, dass der passionierte Skifahrer in der Lage sein könnte, den trudelnden Traditionskonzern in ruhigere Fahrwasser zu führen.

„Löscher hat den Arbeitnehmervertretern zugesagt, dass es unter seiner Führung keine Kahlschlagpolitik in Deutschland und anderswo geben wird und er alles tun wird, die Arbeitsplätze bei Siemens zu sichern“, erklärte Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann. Einige wichtige persönliche Voraussetzungen für gute Beziehungen zur Belegschaft dürfte Löscher mitbringen: Immerhin wollte er vor seiner Karriere in der Industrie Diplomat werden.

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte am Sonntag, mit Löscher habe man eine „herausragende Persönlichkeit“ gewonnen. „Ich bin überzeugt davon, dass die schwierige Aufgabe, Siemens aus der gegenwärtigen Situation in eine gute Zukunft zu führen, bei Peter Löscher in den besten Händen liegt“, sagte Cromme. „Sein globaler Hintergrund, sein hohes internationales Renommee, seine breite Erfahrung in der Strategie- Entwicklung, in Finanzmarktfragen und Technologiethemen sowie seine aufrechte Persönlichkeit waren ausschlaggebend für unsere Entscheidung“, erklärte der Siemens-Chefkontrolleur.

Löscher selbst trug weniger dick auf. Gemeinsam mit allen anderen Siemensianern wolle er sich dafür einsetzen, „dass wir das Unternehmen weiter voranbringen“, sagte er schlicht bei seiner Vorstellung. Er freue sich darauf, bei Siemens Führung und Verantwortung zu übernehmen „zum Wohl von Kunden, Mitarbeitern, Investoren und Eignern“. Zum 1. Juli tritt er seinen neuen Job an.

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