Siemens-Chefkontrolleur
Cromme – Das Gewissen der deutschen Wirtschaft

Gerhard Cromme folgt Heinrich von Pierer als Chefkontrolleur bei Siemens. Cromme hat wie kaum ein anderer Manager die Unternehmens-Landschaft und -kultur in Deutschland verändert, besonders im Ruhrgebiet. Der ehemalige Stahlmanager ist heute einer der gefragtesten Aufsichtsräte. Von mindestens einem seiner Posten muss er sich aber verabschieden.

DÜSSELDORF. Der promovierte Jurist Cromme begann seine Karriere 1971 bei der französischen Baustoffgruppe Saint-Gobain.1986 holt Aufsichtsratschef Berthold Beitz den ausgewiesenen Sanierer zum wirtschaftlich angeschlagenen Krupp-Konzern und macht ihn zum Chef der Tochter Krupp Stahl. Cromme hat große Pläne. Aus seiner Sicht hat Krupp nur in einem größeren Verbund die Chance, weltweit wieder konkurrenzfähig zu werden. Billige Importe aus dem Ausland überschwemmen den deutschen Markt, parallel dazu sinkt die Nachfrage der Kunden, die Hersteller haben enorme Überkapazitäten. Krupp rutscht immer tiefer in die roten Zahlen.

Ende 1987 verkündet der schlanke, groß gewachsenen Mann das Aus für das Krupp-Stahlwerk Werk Rheinhausen – nach 90 Jahren Produktion. Die Arbeiter reagieren mit Enttäuschung und Wut. „Einige bewarfen ihn mit Eiern“, erinnert sich Theo Steigmann, damals stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des Duisburger Stahlwerks. Bis heute ist Rheinhausen ein Mythos geblieben, das Symbol für den längsten Arbeitskampf der deutschen Nachkriegsgeschichte, ein nervenaufreibendes Poker zwischen Wirtschaft, Politik und Beschäftigten.

1989 rückt Cromme an die Spitze der Muttergesellschaft Fried. Krupp in Essen auf und treibt die Konsolidierung weiter voran. 1992 schluckt er mit Hilfe einer Schweizer Großbank den börsennotierten Dortmunder Konkurrenten Hoesch. 1997 liefert er sich mit dem Erzrivalen Thyssen eine erbitterte Übernahmeschlacht, aus der er schließlich als Sieger hervorgeht. Zunächst fusionieren die beiden Stahltöchter, 1999 schließen sich die beiden Ruhrkonzerne komplett zusammen.

Gemeinsam mit Thyssen-Manager Ekkehard Schulz führt Cromme den fusionierten Konzern. Doch die beiden sind wie Feuer und Wasser. Der aggressive Firmenkäufer Cromme und der Konsensstifter Schulz passen einfach nicht zueinander. Im Oktober 2001 zieht Cromme die Konsequenz und übernimmt den Vorsitz im Aufsichtrat von Thyssen-Krupp.

Doch der Ausstieg aus dem aktiven Management füllt den damals 58-Jährigen nicht aus. Cromme übernimmt zahlreiche Aufsichtsratsposten in- und ausländischen Unternehmen. Bis heute gehört er den Kontrollgremien von Allianz, Axel Springer, der Deutschen Lufthansa, Ein, Siemens, der französischen Großbank BNP Paribas, dem Baustoffkonzern Saint-Gobain und dem französischen Versorger Suez an. Außerdem übernimmt er den Vorsitz der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.

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