Siemens-China-Chef Richard Hausmann
Hemdsärmelig den Tiger reiten

Am liebsten fährt er in das alte Industrieviertel im Norden Pekings. Dort, wo Chinesen einst mit DDR-Rüstungsfirmen gegen den Klassenfeind produziert haben. Hier vertreibt sich Richard Hausmann gerne zwischen den roten Backsteinhallen die Zeit.

HB PEKING. Dabei interessieren den Siemens-Manager weniger die verbliebenen Kleinbetriebe mit den noch immer museumsreifen Maschinen. Er ist neugierig auf die moderne Werkelei nebenan. Denn in der ehemaligen Waffenschmiede hat sich eine der anerkanntesten Künstlerkolonien Chinas angesiedelt. „Das Flair ist wie im New Yorker Soho-Viertel“, schwärmt Hausmann und breitet seine Hände aus, als wolle er die Begeisterung greifen.

Doch was treibt den neuen China-Chef von Siemens in die bunte Künstlerszene? Der 44-Jährige ist eben nicht einer der grauen Anzugträger, sondern ist in seiner Freizeit Hobbymaler mit einem „vernünftigen Pinselstrich“, sagt er selbst.

Seinen Stil beschreibt er als ein „bisschen naiv, aber peppig“ – und muss dann selbst beim Blick auf die nüchtern weiß getünchten Bürowände ringsum lachen. „Ich habe einfach zu viel zu tun“, lautet die achselzuckende Entschuldigung.

Erst seit Anfang des Jahres ist der studierte Physiker der neue Herrscher im Siemens-Reich der Mitte. Keine leichte Aufgabe: Siemens hat 45 Tochterfirmen in China. Ob Eisenbahnen, Mobilfunknetze, Kraftwerke, Glühbirnen, Medizintechnik, Stromleitungen – die Liste ist lang. Dennoch hat der Ex-Chef der Medical-Sparte alle Bereiche seit Amtsantritt vor rund 100 Tagen unter die Lupe genommen. Und obwohl die Handy-Sparte gerade neu geordnet werden soll, auch nicht jeder Lokauftrag gewonnen wird, steht für ihn fest: „Es gibt keinen Totalausfall“ bei Siemens China.

Hausmann sieht seine Aufgabe nicht als Last, sondern als Herausforderung. Auch China. „Das war schon immer mein Traumjob“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Dass er nun für vier Milliarden Euro Umsatz und 31 000 Mitarbeiter verantwortlich ist, spornt ihn sichtlich an. Er hat sich für den Posten empfohlen: Als Medical-Chef hat Manager Hausmann schon mal einen Spartenumsatz verdoppelt.

So liegt die Latte auch in Peking hoch: „Wir wollen bis 2010 unseren China-Umsatz verdoppeln.“ Dabei lässt der Mann mit einem Häuschen im fränkischen Erlangen das „R“ fast so schön rollen wie Fußballer Matthäus. Auch Hausmanns Herausforderung hat mit viel Sport zu tun: Einen wesentlichen Anteil des Umsatzsprungs sollen die Olympischen Spiele 2008 in Peking bringen. Schon in Athen hat der Konzern erfolgreich die Sicherheitstechnik installiert.

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