Siemens-Ermittler
Der stille Herr Schmidt-Sommerfeld

Das Ermittlungsverfahren um schwarze Kassen bei Siemens ist nicht arm an Seltsamkeiten. Eine der seltsamsten Erscheinungen ereignet sich, wenn die Staatsanwaltschaft München I eine Presseerklärung verlesen lässt – zum Beispiel am gestrigen Mittwoch. Da verlas Anton Winkler, einen dürren Text von 25 Zeilen. Sie stammen aus der Feder eines anderen.

MÜNCHEN. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie Winkler, ein elegant gekleideter Herr und derzeit vor allem als Pressesprecher der Staatsanwalt aktiv, die Fassung behält bei dieser Veranstaltung, die nur den Eindruck einer Pressekonferenz erweckt. Schließlich weiß er schon vorher, dass er der nachrichtenhungrigen Journalistenmeute allenfalls Appetithäppchen servieren kann. Und zu allem Überfluss darf er die Mitteilungen seiner Behörde noch nicht einmal selbst verfassen. Sie stammen aus der Feder von Christian Schmidt-Sommerfeld, dem Behördenleiter, sozusagen Herr des Verfahrens – wenn auch nicht ganz.

Schmidt-Sommerfeld tritt öffentlich kaum in Erscheinung. Sein Büro, ebenfalls im siebten Stock der Staatsanwaltschaft, ist unauffällig möbliert. Er selbst hat, groß gewachsen und mit kräftigem hellen Haar, etwas Britisches an sich. Über sein Alter bewahrt er Stillschweigen, er hat gut Karriere gemacht im bayerischen Justizwesen, arbeitete für den Generalstaatsanwalt, war Richter, jetzt führt er eine Behörde mit fast 150 Staatsanwälten, die von Kinderpornografie bis hin zu Korruption allzuständig ist für München, sobald das Strafrecht ruft.

Nun also Siemens. „München ist ein heißes Pflaster in Sachen Korruption“, sagt ein Strafverteidiger – und auch die Art, wie die Justizbehörden agieren. Vor Weihnachten hat Schmidt-Sommerfeld ein halbes Dutzend Beschuldigter in U-Haft gebracht, schnell waren die hochrangigen Manager der Zellenumgebung nicht mehr gewachsen, alle haben umfänglich ausgesagt. Nun stehen die drei ermittelnden Staatsanwälte, die Ermittler des Landeskriminalamts und der Steuerfahndung vor einem Berg von Material, Siemens drängelt, das Justizministerium wacht und die Staatskanzlei will auf dem Laufenden bleiben. Und dann natürlich die Medien, eine brisante Umgebung.

Schmidt-Sommerfeld gibt sich ruhig bis gelassen, man werde die Ermittlungen konzentriert zu einem Ergebnis führen. Wann? Sagt er nicht. Wenn dieser Mann etwas nicht gerne hat, dann, dass man ihm in seine Karten schaut. Die nächste offizielle Pressemitteilung ist für die 13. Kalenderwoche angekündigt. Wir sind gespannt.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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