Silicon Valley
Alleine im Tal der Träume

Wer in der Internet-Wirtschaft des Silicon Valley arbeitet, darf sich glücklich schätzen. Doch nur wenigen Deutschen gelingt es, im Silicon Valley Fuß zu fassen. Bürokratie und geschlossene Strukturen erschweren den Aufstieg in der High-Tech-Region. Die Ambivalenz der Technologie-Hochburg.

SAN FRANCISCO. Noch immer umweht Marco Boerries ein unzähmbarer Optimismus, noch immer ist das blonde Haar akkurat frisiert, noch immer ist das Lächeln omnipräsent. Sicher, ein paar Falten sind hinzugekommen. Doch das ehemalige Wunderkind der deutschen Computerszene sieht weiterhin jünger aus, als es ist.

Jahrgang 1969 steht in seinem Pass. Sein Lebenslauf aber würde für eine weit längere Lebenszeit ausreichen. Mit 16 gründet er das Software-Unternehmen Starsoft. Startfinanzierung: sein Konfirmationsgeld in Höhe von 2 000 Mark. „Die Welt“, posaunte er, „braucht eine Alternative zur Software von Microsoft.“ 1999 verkauft er an Sun Microsystems für Sun-Aktien im Wert von 73 Millionen Dollar und zieht samt Familie nach Kalifornien. 2001 seine nächste Gründung: Verdisoft. Vier Jahre später verkauft er an Yahoo für angeblich 58 Millionen Dollar.

Beim Web-Konzern steigt er auf bis in die zweite Führungsebene, „Senior Vice President“ steht auf seiner Visitenkarte. Auf seinem Konto sammelte er schon reichlich die Währung des Erfolgs: Neid. Mehrfach war er Thema im Branchenklatsch-Weblog Valleywag, wo gegiftet wurde, dass ihm der einzige Ferrari auf dem Yahoo-Parkplatz gehört.

Boerries ist er der hochrangigste Deutsche im Silicon Valley – und einer der wenigen, die überhaupt im pochenden Herzen der Internet-Wirtschaft arbeiten. Gerade einmal ein halbes Prozent der Bevölkerung in der Region nahe San Francisco machen sie aus, Portugiesen gibt es genauso viele.

Gründe dafür gibt es eine ganze Reihe; einer der wichtigsten ist das enge Beziehungsgeflecht in dem Tal. „Das Valley wird kontrolliert von vielleicht 50 bis 100 Leuten“, sagt Sebastian Blum, Leiter des Büros von T-Ventures, der Investment-Tochter der Telekom. „Dieses Buddy-Netzwerk ist so eng geknüpft, dass Außenseiter kaum reingelassen werden.“

Seit August 2006 lebt Blum in Kalifornien, optisch hat er sich bestens angepasst. Unter „Smart Casual“ rangiert seine Kleidung an diesem Morgen: schwarzer Pullunder zum Hemd, gepaart mit gepflegter Hose – zu ordentlich für einen Gründer und doch eine Nähe zur sich leger gebenden Web-Szene signalisierend.

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