Simone Bagel-Trah
Revolutionärin ohne Revolution bei Henkel

An diesem Freitag kommt bei Henkel eine Zeitenwende: Simone Bagel-Trah wird zur mächtigsten Frau der deutschen Unternehmenslandschaft. Die 40-Jährige übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrates beim Konsumgüterriesen. Einfach wird sie es nicht haben, denn sie muss die Einigkeit im Henkel-Reich herstellen.

DÜSSELDORF. Die Revolutionärin, die keine sein will, infiziert sich mit elf Jahren. Schuld sind schmauchende Fabrikschlote, Persilduft, der über das Firmengelände an der Düsseldorfer Peripherie wabert - und Konrad Henkel. Patriarch, Henkel-Erbe in zweiter Generation, legendärer Unternehmensvorstand. Einer, der seine Nachfolge frühzeitig einleiten will, um dem Zerfall der Dynastie entgegenzuwirken.

Erster Schritt: Interesse wecken. Er zeigt den Junior-Henkelanern das Unternehmen, begleitet von viel Tamtam, dazu gehört eine eigens inszenierte Feuerwehrübung. Im Tross damals Simone Bagel-Trah, die sich an diesem Tag wie beabsichtigt den Henkel-Virus einfängt. Und ab morgen, 29 Jahre später, den Familienkonzern kontrollieren wird. Als Chefaufseherin. Eine Revolution, sagt sie, wolle sie nicht einleiten. Genau das aber tut sie.

Simone Bagel-Trah, heute 40 Jahre alt, 1,80 m groß, Mutter zweier Kinder, verheiratet mit dem Headhunter Christoph Trah, wohnhaft in Düsseldorf, Villa mit Rheinblick, krempelt die deutsche Führungslandschaft um. Sie ist so etwas wie der deutsche Barack Obama. Eine Attraktion, ach was, eine Sensation.

"Ich wünschte, es wäre keine", sagt sie, die erste Frau, die als Chefin in den Aufsichtsrat eines deutschen Dax-Konzerns einzieht. Die gleichzeitig den Vorsitz des Gesellschafterausschusses übernimmt, in dem die weit verzweigte Familie des Henkel-Gründers mit gut 52 Prozent der Aktienanteile über den Kurs des Unternehmens entscheidet. Die dem Familienclan vorsitzt und die Kapitalseite managt. Für die deutsche Männerwirtschaft ist das ein historischer Einschnitt. Ein Umbruch, Aufbruch unter der Ägide einer Frau, die mit so viel Macht ausgestattet ist wie kaum ein anderer deutscher Manager.

Die beiden zentralen Gremien übernimmt Simone Bagel-Trah vom 73-jährigen Altmeister Albrecht Woeste, der fast 20 Jahre lang das Sagen hatte. Angst vor der Aufgabe hat die Ururenkelin von Fritz Henkel, dem Erfinder von Persil, nicht. "Ich habe es immer als Anerkennung empfunden, dass die Wahl auf mich gefallen ist", sagt die Frau mit dem festen Händedruck.

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