Simyo-Gründer Christian Magel
Der Motivator

Als Gymnasiast trägt Christian Magel Kabel beim Bayerischen Rundfunk. Er fängt Feuer, bleibt der Medienbranche während seines Marketing-Studiums in München treu. Nach dem Platzen der New-Economy-Blase befreit sich der mittlerweile 38-Jährige aus dem Abwärtsstrudel und möchte heute mit der Marke Simyo den Mobilfunk-Markt aufmischen.

In einer mächtigen Staubwolke rast die Limousine auf die Dünen zu. Es ist heiß, ach was, die Luft brennt. Die Limousine hält in einer noch mächtigeren Staubwolke, ein Business-Typ steigt aus, der Scheitel trotz Hölle wie festgefroren. Und Schnitt. Wenn der Spot in ein paar Wochen im deutschen Fernsehen läuft, wird der Zuschauer wissen, dass der gute Stern den Fahrer kommod selbst in die Wüste schickt.

Anders als dem Schauspieler war Christian Magel mehrfach die Frisur verrutscht, als er am Steuer des Autos saß. Da denkt man, für so einen Spot werden keine Kosten gescheut, und ein Anderthalbtonner schwebt per Luftpost nach Tunesien. Von wegen. Der Zoll machte Stress, und der Katalysator war nach einem Tag kaputt, weil sich 1989 der Bleifrei-Äquator irgendwo auf der Höhe von Südfrankreich um den Globus wand. Egal. In Tunis lief Magel mit großem Portemonnaie durch die Straßen, um Komparsen anzuheuern. "Haben Sie Lust, bei einem Werbefilm für ein deutsches Auto mitzuspielen? Dann kommse mal mit."

"Zweiter Aufnahmeleiter" schimpfte sich der 19-jährige Abiturient aus München. Während des Agenturpraktikums, das ein Dreivierteljahr dauerte, plante und organisierte er 40 Werbefilme. Er war jung und hätte sicher das Geld gebraucht, aber Agenturen ließen schon damals ihre Praktikanten darben.

Die Medienwelt hielt Magel gefangen, nachdem er sich in Betriebswirtschaftslehre an der Uni München eingeschrieben hatte. In den Semesterferien jobbte er weiter als Aufnahmeleiter. Dann der Wechsel an die private European Business School in Oestrich-Winkel, eine sogenannte Elite-Hochschule, die ihm nur dank eines Stipendiums für hervorragende Studienleistungen offenstand. Zwei Auslandssemester im französischen La Rochelle und in Phoenix/USA. Praktika wild durch die Medienwelt, von Beratung über Rechteverwertung bis Plattenlabel. In Hollywood wollte Magel bei einem der Big-Five-Studios landen - immerhin kam er bis Trimarc Pictures, die zwischen Horror und nackter Haut auch mal einen Kassenschlager mit Charles Bronson landeten.

Und Schnitt. Es ist Montag, neun Uhr, Wochen-Briefing. Der früh gereifte Medienprofi Magel, 38, sitzt im Konferenzraum des Mobilfunk-Discounters Simyo in Düsseldorf. Zwischen den Knien hat er Iffezheim, so heißt der Pferdekopf aus Filz, der auf einem Holzstiel steckt. Magel rückt seinen Stuhl vom Tisch ab, beugt sich hinunter und trappelt mit Händen und Füßen auf den Teppich. "Wir sind bereit", sagt er, "Startschuss, los!" Die Mitarbeiter trappeln, legen sich in die Kurve, als Magel "Links!" ruft, dann "Rechts!" "Jetzt an der Tribüne vorbei, alles geben - Ziel!" Die Mitarbeiter richten sich auf, die Muskeln sind locker wie nach einem echten Galopp. Dann beginnt das Auslaufen: Wie waren die Umsätze in der vergangenen Woche, was nehmen wir uns für die kommende Woche vor?

Solche Bewegungsspiele erinnern an die Good-Morning-Rituale in US-Unternehmen, aber Magel versucht, sie nicht wie Krampf rüberzubringen. "Zum Wachwerden ist das besser als literweise Kaffee", sagt er. Alle trappeln mit, Chef ist halt Chef. Dass Motivation sanften Druck voraussetzt, weiß der heutige Marketing-Geschäftsführer von Simyo aus eigener Erfahrung: Es ist 2003, Magel hat sich als Medien- und Marketingberater selbstständig gemacht. Das Geschäft läuft zunächst gut. Sein erster Auftrag führt ihn nach Dresden, wo er bei einem Inkontinenzmittel-Hersteller die 100-Jahr-Feier moderiert. "Als ich mit meinem 500-Euro-Honorar in der Tasche nach Hause flog, war ich richtig stolz", sagt Magel. "Ich dachte, das nehme ich nicht mehr so selbstverständlich wie das früher als Gehalt einfach überwiesene Geld."

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