Singapur
Milliardär fordert mehr Platz für mehr Sex

Er gilt bereits als Verderber der Jugend: Bhupendra Kumar empfiehlt dem asiatischen Stadtstaat Singapur ein Umdenken im sozialen Wohnungsbau, damit sich junge Leute näher kommen können – und die Geburtenrate steigt.
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PekingBhupendra Kumar Modi, 64, ist ein pragmatischer Mann. Der Gründer des Mischkonzerns Spice Global wäre heute kein Milliardär, wenn er die Probleme nicht auf dem kürzesten Weg angehen würde. Im prüden Südostasien erregt er nun Aufsehen durch einen Vorschlag, der gar nicht zu seiner Herkunft im gesitteten Indien zu passen scheint: Der Stadtstaat Singapur soll den Sex junger Leute fördern – durch sozialen Wohnungsbau.

Singapur ist wie Zypern eine Finanzoase. Beide Kleinstaaten ziehen das Geld ausländischer Investoren durch niedrige Abgaben an. Modi selbst ist im vergangenen Jahr hier Staatsbürger geworden – wegen der niedrigen Steuern. Wie in Zypern hat die Geldschwemme auch in Singapur Nebenwirkungen: Das Geld drängt an den Immobilienmarkt und treibt die Preise hoch. Die Mieten steigen derzeit ins Unbezahlbare.

Modi sieht hier die Ursache für ein zunehmendes Problem Singapurs: die Leute bekommen kaum noch Babys. Da die jungen Leute mehrheitlich auf engem Raum bei den Eltern wohnen müssen, haben sie keine Gelegenheit, intim zu werden, vermutet er.

Sein Vorschlag lautet daher, mehr Sozialwohnungen für 25- bis 35-Jährige zur Verfügung zu stellen. Dann hätten sie einen Ort, an dem sie sich näher kommen können – und dann, so Modis Vorstellung, steige alsbald die Geburtenrate. „Heute gibt es doch kaum noch jungfräuliche Eheschließungen“, hat der Milliardär scharfsinnig erkannt.

Da stellt sich die Frage: Hat Herr Modi noch nie etwas von Verhütungsmitteln gehört? Oder davon, dass Paare heute durchaus Sex haben, ohne zu heiraten? Oder dass verheiratete Paare nicht unbedingt Kinder bekommen? Für diese Erkenntnisse ist er dann doch wohl zu sittenstreng. Obwohl er in seiner Wahlheimat Singapur jetzt als Verderber der Jugend gilt.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Singapur: Milliardär fordert mehr Platz für mehr Sex"

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  • Herr Bhupendra, falls Sie dies lesen: Ich denke, diesmal liegen Sie falsch. Die jungen Leute in Singapur sind durchaus erfinderisch und pragmatisch, was dieses Thema angeht. Die extrem hohen Immobilienpreise in Singapur sind zwar ein Problem, aber es gibt Möglichkeiten, über die ich mich hier nicht weiter äußern möchte.
    Es werden jedoch immer weniger Kinder in Singapur geboren, weil die Singapureaner wie auch in Deutschland eine lange Ausbildungszeit haben und zunächst einmal im Job auf der Karriereleiter ein wenig aufsteigen möchten, bevor eine Familie gegründet wird. Und in Singapur sind die Frauen deutlich emanzipierter als in Deutschland. Sie begegnen Karrierefrauen in Spitzenpositionen fast überall. Auch sind die Studenten in technischen Fächern zur Hälfte weiblich. Und damit haben einige noch konservativ erzogene Männer ein Problem. Ich übrigens nicht und würde mich freuen, mal wieder ein Projekt in Singapur zu machen, sofern mein Auftraggeber die Unterkunft zahlt ;-)

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