Sir Alan Sugar
Gefürchteter Boss der Nation

Sir Alan Sugar ist Computer-Millionär und er ist Hauptakteur der britischen Fernsehserie „The Apprentice“. Bei seinen TV-Auftritten avancierte er zum Liebling der Nation – gerade weil er nicht „everybody's darling“ ist. Diese Popularität mag verwunderlich sein, ist sein berühmtetes Zitat doch „you're fired“.

LONDON. Der Höhepunkt naht: Am Mittwochabend werden Millionen BBC-Zuschauer herausfinden, wer die dritte Staffel der TV-Show „The Apprentice“ gewinnt: Die 36-jährige Kristina Grimes und der 27-jährige Simon Ambrose haben eine letzte Aufgabe zu lösen, um den begehrten 150 000-Euro-Job als Assistent des Unternehmers Sir Alan Sugar zu bekommen. Wichtiger noch ist die Chance auf einen, wenn auch kurzlebigen, Ruhm, den die Auftritte in der zwölfteiligen britischen Fernsehserie bringen. Und die Chance auf den Start einer großen Karriere – schließlich kommentieren sogar die Wirtschaftsseiten der großen Tageszeitungen die Leistungen der Kontrahenten.

Doch der eigentliche Star der Serie ist Sir Alan Sugar – Sir Alan, wie ihn die Kandidaten nennen dürfen. Der 60-jährige Multimillionär, dessen Kugelkopf graue Locken und ein gestutzter Vollbart einrahmen, hat sich aus einfachen Verhältnissen im Osten Londons emporgearbeitet und lebt den Briten jetzt den rauen Charme des Business vor. „You’re fired“ lautet der berühmte Spruch, mit dem er den Höhepunkt jeder Folge bestreitet. Im Vorspann funkeln die Belohnungen des erfolgreichen Unternehmertums: Sir Alans Yacht und sein Rolls-Royce mit dem Nummernschild „AMS 1“. Trotz scharfer Zunge wirkt Sir Alan einfach netter als Immobilienmagnat Donald Trump, der die gleichnamige US-Serie leitet.

Im wahren Leben paart Sugar Gelassenheit mit rauem Charme. Als er jüngst einen neuen Supercomputer – produziert von seiner Firma Viglen – an die Queen Mary University übergibt, lässt er sich von entzückten Studentinnen mit Foto-Handys ablichten. Dann enthüllt der kurz gewachsene Mann im schwarzen Anzug mit dezent kariertem Hemd, Krawatte und Manschettenknöpfen rasch ein Messingschild – „so, das wär’s“ – und beantwortet ein paar Fragen.

Ingenieurnachwuchs? „Heute gehen ja alle den leichten Weg und studieren was mit Medien. Da rennen sie dann beim Fernsehen rum und servieren Tee“, ätzt er. Klimaschutz? „Gutmenschenkram, den Brüssel uns aufdrückt.“ Der PR-Mann versucht sich verzweifelt einzuschalten, doch Sir Alan interessiert sich nicht für politische Korrektheiten. So was hat er lange hinter sich.

Auf umgerechnet 1,2 Milliarden Euro Vermögen schätzt ihn die Reichen-Liste der „Sunday Times“. Den Anfang machte das Computer-Geschäft. „Es war phantastisch, als ich mit 30 den Börsengang schaffte“, erzählt Sugar als Gast beim TV-Talker Jonathan Ross, „und das mit einem Produkt für Hirntote.“ Amstrad stellt heute vor allem Decoder fürs digitale Fernsehen her, für High Tech ist Viglen zuständig. Am meisten wert sind Sir Alans Immobilien-Investments, einschließlich privater Anwesen in London, Florida und Spanien. Seine Anteile am Fußballclub Tottenham Hotspurs hat er gerade verkauft.

Der Fernsehruhm geht ihm allerdings langsam auf die Nerven, wie er in der Talk-Show erzählt. „Wenn ich mit der Familie ins Restaurant gehe, kommt immer irgendein Idiot vorbei, ruft „you’re fired“ und lacht sich kaputt. Meiner Frau ist das sehr peinlich.“ Doch daran wird sie sich gewöhnen müssen: Die nächsten beiden Staffeln sind schon bestellt.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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