Sir Robert Allen Stanford
Exzentrischer Milliardär stellt sich der Polizei

Er liebt die Karibik und das große Geld, er hat beste Beziehungen in die Politik - und gilt als zweitgrößter Finanzbetrüger nach Bernard Madoff: Der schillernde US-Milliardär Sir Robert Allen Stanford hat laut Börsenaufsicht mit einem Schneeballsystem Anleger um Milliarden Dollar gebracht. Jetzt hat er sich dem FBI gestellt.

DÜSSELDORF. Es ist Donnerstagnachmittag, als sich mehrere schwarze Geländewagen dem Haus in Fredericksburg, Virginia, nähern. In den SUVs: Beamte der Bundespolizei FBI. In dem Haus: Sir Robert Allen Stanford, Milliardär, Ritter der Karibikinsel Antigua, Lebemann, mutmaßlicher Milliardenbetrüger. Und dessen Freundin, der das Haus gehört.

Bald tritt Stanford aus der Tür, geht ruhig auf die Polizisten zu - und gibt auf. "Wenn Sie einen Haftbefehl gegen mich haben, dann nehmen Sie mich fest", sagt er. Dann klicken die Handschellen. So wird es später Stanfords Anwalt Dick DeGuerin der Nachrichtenagentur Bloomberg schildern.

Der exzentrische Milliardär, der mit seinem Schnauzbart ein wenig aussieht wie John Cleese von Monty Python, wird heute vor einem Richter im texanischen Houston erwartet. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Standford, dessen ehemaligem Finanzchef James Davis und Investmentchefin Laura Pendergest-Holt Betrug vor. Stanford soll über Jahre Anleger mit der Verheißung von traumhaften Renditen in ein Schneeballsystem gelockt haben. Bernard Madoff lässt grüßen. Stanford bestreitet die Vorwürfe vehement.

Basis des 59-jährigen Texaners ist die Karibikinsel Antigua, die als Offshore-Paradies gilt. Dort gründete er sein Finanzimperium, das im Wesentlichen aus der Stanford International Bank, der Stanford Group Company und die Investmentberatung Stanford Capital Management besteht.

In dem Zwergstaat lebte der als sehr einnehmend beschriebene Stanford als eine Art Pate und Wohltäter. Er gab der Regierung, die ihn 2006 zum Ritter ernannte, Kredite und gab viel Geld für die Infrastruktur. Unter anderem ließ er ein Cricket-Feld bauen. In sein riesiges Anwesen direkt am Strand lud er nach Recherchen des "Wall Street Journals" auch gerne Politiker aus Washington ein. Zu vielen pflegte Stanford als fleißiger Wahlkampfspender beste Kontakte.

Vor seiner Enttarnung machte Ex-Baulöwe Stanford immer wieder Schlagzeilen mit ausgefallenen Geschichten. So hatte der Cricket-Fan ein Spiel organisiert zwischen dem englischen Nationalteam und den "Stanford Superstars", einer Karibik-Auswahl. Das Preisgeld von sagenhaften 20 Mio. Dollar überbrachte der Texaner höchstpersönlich: Mit Helikopterlandung auf dem Spielfeld und Geldkoffer in er Hand.

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