Skandal-Banker
Notheis nimmt sich eine „Auszeit“

In der EnBW-Affäre ist Dirk Notheis schwer unter Beschuss geraten. Jetzt zieht der Deutschland-Chef von Morgan Stanley die Konsequenzen und lässt sein Amt ruhen. Seine Aufgaben übernimmt ein alter Bekannter.
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FrankfurtDer Deutschland-Chef von Morgan Stanley zieht in der Affäre um die Verstaatlichung des Stromkonzerns EnBW die Reißleine und lässt sein Amt ruhen. Dirk Notheis habe den Aufsichtsrat der deutschen Tochter darüber informiert, eine Auszeit zu nehmen, sagte eine Sprecherin am Montag. Ob und wann er zurückkehrt, ist Bankkreisen zufolge noch offen.

Seine Aufgaben als Deutschland-Chef übernimmt ab sofort der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Lutz Raettig, der diese Rolle früher schon einmal innehatte. Notheis' operative Zuständigkeiten werden im Vorstand aufgeteilt. Mit der Auszeit des 44-Jährigen geht einer der Top-Fusionsberater in Deutschland von Bord, der auch dank seiner zahlreichen politischen Kontakte Morgan Stanley viele lukrative Mandate gebracht hat.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Wochenende aus Bankkreisen erfahren, dass Notheis der US-Investmentbank seinen Rücktritt angeboten habe. Der Badener war zuletzt wegen seiner Beraterrolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) massiv unter öffentlichen Druck geraten - auch aus den Reihen von CDU und FDP.

Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den fünf Milliarden Euro schweren EnBW-Deal, bei dem Notheis seinen CDU-Freund und damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beraten hat. Es geht um die Frage, ob das Land zuviel bezahlt hat. Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.

Für zusätzliche Brisanz sorgten vor kurzem bekanntgewordenen E-Mails von Notheis an Mappus, in denen der Investmentbanker dem Ministerpräsidenten in teilweise flapsigem Ton Regie-Anweisungen gab, wie er das am Nikolaustag 2010 überraschend verkündete Milliarden-Geschäft in der Öffentlichkeit und bei Parteifreunden vermitteln sollte.

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  • Die Ähnlichkeiten zum Geschehen unter Herzog Karl Alexander und seinem Finanzberater Joseph Süß Oppenheimer sind wirklich erstaunlich. Und die Landstände wurden in beiden Fällen übergangen. Gut beobachtet!

  • Die Ähnlichkeiten in diesen zwei Fällen sind wirklich frappierend. Gut beobachtet! Und die Landstände wurden jedesmal hintergangen.

  • Wer wundert sich eigentlich noch über das schlechte Image der Banker und vieler Politiker gerade aus CDU/CSU und natürlich, nicht zu vergessen, der FDP mit ihren Politclowns.

    Notheis und Mappus gehören vor Gericht, werden hoffentlich verurteilt und dürfen sich dann aus Kostengründen eine Zelle teilen.

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