Skandal bei Hewlett-Packard
Der wütende Herr Perkins

Wenn Thomas Perkins etwas will, kriegt er es – auch den Sturz einer Top-Managerin. War es die Empörung über Verletzungen der Privatsphäre? Oder spielten Eitelkeiten und persönliche Animositäten die Hauptrolle?

PORTLAND. Der Skandal bei Hewlett-Packard um die Bespitzelung von Journalisten und Verwaltungsratsmitgliedern spitzt sich immer weiter zu. Gestern erklärte der kalifornische Generalstaatsanwalt Bill Lockyer: „Wir haben genug Material, um Leute anzuklagen – sowohl innerhalb von Hewlett-Packard als auch bei externen Dienstleistern.“ Dabei schien doch alles geklärt, nachdem die Vorsitzende des HP-Verwaltungsrates, Patrica Dunn, erklärt hatte, Anfang kommenden Jahres ihren Posten zur Verfügung zu stellen. Vorstandschef Mark Hurd soll am 18. Januar ihr Amt übernehmen.

In einer internen E-Mail an Mitarbeiter schrieb die 53-jährige Dunn gestern: „Wenn es etwas geben würde, mit dem ich einzelne Aspekte wieder korrigieren könnte, würde ich das tun. Ich wünschte, all das wäre nie passiert.“ Doch dies ist nicht nur die Affäre von Verwaltungsratschefin Patricia Dunn – sondern auch die von Thomas J. Perkins.

Der 74-Jährige ist eine Ikone der IT-Szene, weil er Kleiner Perkins Caufield & Byers mitgründete, eines der bekanntesten Wagniskapitalunternehmen des Silicon Valleys. Kleiner Perkins war Hebamme prominenter High-Tech-Firmen, von Sun, Genentech, AOL, Amazon über Netscape bis zu Google. Deren Börsengänge brachten Perkins ein Privatvermögen von nach eigenen Angaben „über 100 Millionen Dollar“.

Im Visier der Ermittler

Schon zwei Mal hat er seinen Sitz im HP-Board seit der Fusion des Konzerns mit Compaq Computer im Jahr 2001 niedergelegt – das letzte Mal im Mai 2006 unter stürmischem Protest. Anlass waren private Ermittlungen, die Dunn in Auftrag gegeben hatte, um eine undichte Stelle im Verwaltungsrat zu finden, weil während der letzten Monate vor Ablösung von HP-Chefin Carly Fiorina laufend Board-Interna an die Presse geflossen waren.

Perkins protestierte gegen die Methoden der Ermittler ebenso wie gegen das Ergebnis: Dunn identifizierte seinen alten Freund George Keyworth als Leckstelle und forderte seinen Rücktritt. Nebenbei kam heraus, dass sich Privatdetektive Telefonrechnungen von Journalisten und Verwaltungsräten beschafft hatten. Perkins stürmte aus der Sitzung und tat seitdem alles, um die Affäre ans Licht zu zerren. Und wenn er spricht, hören viele zu. Erst recht, wenn es um Hewlett-Packard geht.

Perkins, der in den 50er-Jahren am MIT Electrical Engineering und an der Harvard University Wirtschaft studiert hatte, wurde 1963 von den Konzerngründern Bill Hewlett und Dave Packard persönlich zum Verwaltungschef der Forschungsabteilung von HP ernannt. Als erster Geschäftsführer für den Computerbereich steuerte er HP erfolgreich zu Minicomputern, den heutigen Servern.

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