Skandal-Manager
Sex, Drugs und Broadcom

Henry Nicholas, Gründer des Chipherstellers, steht vor einer Anklage, die jedem Hollywood-Star ehre machen würde: Seinen Geschäftspartnern soll er Ecstasy in die Getränke gemischt haben, und in seinem Privatflugzeug rauchte er einmal so viel Mariuhana, dass der Pilot eine Atemmaske aufziehen msste.

DÜSSELDORF. Er habe seine Grenzen testen wollen, sagte Henry Nicholas, nachdem er 78 Stunden ohne Schlaf durchgearbeitet hatte. Der Mitgründer und Ex-Chef des US-Chipherstellers Broadcom verließ an normalen Tagen selten vor Mitternacht sein Büro, bevorzugt ernährte er sich von Eiweißriegel.

Nun stellt sich heraus: Offenbar hat er mit seinem extremen Lebensstil nicht nur seine eigenen, sondern auch die gesetzlichen Grenzen weit überschritten. Drogenhandel, Betrug, Verschwörung – die Liste der Vorwürfe gegen Nicholas ist lang und spektakulär. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat der 48-Jährige unter anderem den Getränken zweier Geschäftspartner vor Verhandlungen die Droge Ecstasy beigemischt. Während eines Flugs in einer Privatmaschine sollen Nicholas und seine Gäste derart viel Marihuana geraucht haben, dass der Pilot eine Atemmaske aufziehen musste.

Nicholas bestreitet die Anschuldigungen, die die Ermittler in ihrer Klageschrift einem Bundesgericht im kalifornischen Santa Ana vorlegten. Doch die Strafverfolger präsentieren detaillierte Vorwürfe und zitieren dabei aus zahlreichen seiner E-Mails. Demnach ließ er in einem seiner Häuser eigens einen Tunnel und einen unterirdischen Raum anlegen, um dort Drogen zu konsumieren. Zudem soll er ein Lagerhaus dafür genutzt haben, mit Kunden und Mitarbeitern ausufernde Partys zu feiern – Prostituierte und Kokain inklusive. Laut Staatsanwaltschaft schreckte der mehrfache Milliardär nicht davor zurück, Mitwissern mit Gewalt und Tod zu drohen, sollten sie auspacken. 2002 habe er seiner Assistentin eine Million Dollar Schweigegeld bezahlt.

Nicholas wurde dem Haftrichter vorgeführt, gegen eine Kaution in Millionenhöhe aber wieder entlassen. Er muss sich zunächst in einer Drogenklinik behandeln lassen und steht anschließend unter Hausarrest.

Nicholas hatte Broadcom 1991 gemeinsam mit seinem ehemaligen College-Professor Henry Samueli gegründet und in wenigen Jahren zu einem der führenden Chiphersteller aufgebaut. Der Konzern setzte 2007 3,8 Milliarden Dollar um. Nicholas trat 2003 von seinem Posten zurück.

Als ob die Vorwürfe nicht schon genug wären, muss er sich gemeinsam mit Ex-Finanzchef William Ruehle noch wegen illegal zurückdatierter Aktienoptionen verantworten. Broadcom hatte deshalb 2007 2,2 Milliarden Dollar abschreiben müssen – mehr als jede andere der vielen Firmen, gegen die wegen derartiger Optionsprogramme ermittelt wird.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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