Skandal um EnBW-Deal
General Notheis und sein Befehlsempfänger

Heute sucht der Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags weitere Aufklärung. Schon jetzt ist klar: Landeschef Mappus ließ sich vom Morgan-Stanley-Banker rumkommandieren. Anstandsregeln kannte Notheis dabei nicht.
  • 37

Düsseldorf/StuttgartLudwig Poullain sagt: „Nichts offenbart das Wesen eines Menschen so sehr, wie die Art, sich mitzuteilen. Diktion und Wortschatz geben ihn preis.“

Im Fall von Dirk Notheis, Deutschland-Chef der US-Bank Morgan Stanley, offenbare sich „die Verletzung guter Sitten“ in eklatanter Weise, schreibt der 92-jährige Grandseigneur des Bankwesens in einem Beitrag für diese Zeitung. Der in die Öffentlichkeit gelangte E-Mail-Verkehr des Investmentbankers zeige dessen Wesensmerkmale: „dreist, ungehobelt, schamlos“.

Tatsächlich belegen die E-Mails, die Notheis dem damaligen baden-württembergischen Regierungschef Stefan Mappus (CDU) im November und Dezember 2010 schrieb, die Hybris eines Bankers, der einen Ministerpräsidenten als Marionette für seine Geschäfte missbrauchte.

Ende 2010 wollten Notheis und Mappus heimlich und am Parlament vorbei für 4,7 Milliarden Euro die Anteile des französischen Versorgers EDF am Konzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) zurückkaufen. Die geplante Rückverstaatlichung sei „nicht ganz einfach für Ordoliberale. Du (Mappus, d.R.) solltest idealerweise einen renommierten Volkswirt haben, der das Ganze gut findet. Es sollte jemand sein, der Dir einen Gefallen schuldet“, schrieb Notheis am 4. Dezember 2010.

In den Mails bezeichnet er die Kanzlerin als „Mutti“, die für Mappus etwas zu „arrangieren“ habe. Notheis gab Mappus detaillierte Anweisungen, wen er wann über den Deal informieren und wie er Konkurrenten von Morgan Stanley außen vor halten solle. Andere Banken „werden Dich drängen, ihnen ein Mandat zu geben. Du musst das alles ablehnen (!!)“. Auch der Finanzminister sei, so Zeremonienmeister Notheis, möglichst spät zu informieren.

Kommentare zu " Skandal um EnBW-Deal: General Notheis und sein Befehlsempfänger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich weis gar nicht was hier irgendwie erstaunlich sein soll!?

    So ist sie nun mal die CDU!


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Dieser Artikel beschreibt schlicht und ergreifend wie Geschäfte dieser Größenordnung in unserem aktuellen wirtschaftlichen Gefüge (grundsätzlich unbeachtlich der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse, aber insbesondere bei Konservativen und Liberalen grenzenlos (man denke nur an den unendlichen Schwarzgeldskandal unter Kohl (bis heute ist unbekannt welche Geschäfte hier bezahlt worden sind), der von den Massen längst vergeben und vergessen scheint, die Mehrwertsteuermanipulation der Liberalen oder die Machenschaften eines Otto Graf Lambsdorff (FDP))).
    Grund ist zum einen sicher die Komplexität solcher und ähnlicher Transaktionen, zum anderen aber dass Großbanken als größte Gläubiger die Politik in weiten Bereichen kontrollieren und nicht anders herum.
    Jeder von uns kann hier etwas tun um gegenzusteuern: sich möglichst umfassend zu informieren, selber nach Hintergründen zu recherchieren und möglichst fundierte Wahlentscheidungen treffen. Ein kleines Beispiel: Unter Rot Grün hätten wir längst (und damit vor Milliarden zusätzlicher (verursacht auch durch Merkel's Verzögerungstaktik) nun von uns allen zu zahlender Schulden) einen Zukunftsplan für ein politisches Europa oder wenigstens eine lebendige Diskussion zu diesem Thema gehabt.
    Die einzig wirkliche Lösung, die auf Dauer Frieden und Wohlstand sichern wird (zuerst eine verbindliche Schuldenkontrolle mit entsprechendem teilweisem Souveränitätsverlust auf nationaler Ebene sowie im Anschluss in Kombination mit einer sinnvollen Form der Vergemeinschaftung von Schulden zur Beendigung der Zinsspekulationen und dann eine weitere Annäherung in Europa) wird von Schwarz Gelb im wesentlichen tot geschwiegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%