Skandalbanker
Kerviel in Frankreich festgenommen

Jérôme Kerviel hatte die Großbank Société Générale mit gefährlichen Geldgeschäften fast in den Ruin getrieben. Jetzt wandert der wegen Milliardenverlusten verurteilte französische Banker ins Gefängnis.
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ParisDer verurteilte Skandalbanker Jérôme Kerviel ist nach seiner Rückkehr in seine Heimat Frankreich festgenommen worden. Er befindet sich in Gewahrsam der Polizei, wie die Behörden in der französisch-italienischen Grenzstadt Menton am Sonntagabend mitteilten. Um Mitternacht endete die Frist für den Antritt seiner dreijährigen Haftstrafe, zu der ihn ein Gericht im Jahr 2010 verurteilt hatte.

Der ehemalige Angestellte der Société Générale ist für einen der größten Betrugsfälle in der Geschichte verantwortlich. Mit seinen Geldgeschäften hatte er einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro produziert und die Großbank beinahe in den Ruin getrieben. Er spekulierte mit dutzenden Milliarden Euro auf hochriskanten Märkten und vertuschte die Transaktionen, ohne sich dabei aber selbst zu bereichern.

Um seine Haft abzuwenden war Kerviel nach Italien gepilgert, um den Papst zu treffen. Außerdem hatte er den französischen Staatschef François Hollande um eine Begnadigung gebeten. Kerviel glaubt, als Sündenbock herhalten zu müssen, obwohl seine Vorgesetzten für die Milliardenverluste mindestens ebenso verantwortlich seien. „Der Kampf geht weiter, egal was passiert“, sagte er am Sonntagabend zu Journalisten, als er sich der französischen Grenze näherte.

2012 verurteilte das Pariser Berufungsgericht Kerviel in zweiter Instanz wegen Vertrauensmissbrauchs, Fälschung und wegen der betrügerischen Eingabe von Daten in das Computersystem der Bank und bestätigte die in erster Instanz verhängte Strafe: fünf Jahre Haft - davon zwei zur Bewährung ausgesetzt - und eine Schadenersatzzahlung von 4,9 Milliarden Euro an die Société Générale. Gegen die Verurteilung zog Kerviel vor den Kassationsgerichtshof. Dieser bestätigte im März zwar die Haftstrafe von drei Jahren gegen Kerviel, erklärte aber den Rekord-Schadenersatz für ungültig.

Nach einem Treffen mit Papst Franziskus in Rom im Februar beschloss der Ex-Banker, zu Fuß nach Paris zurückzuwandern. Die französische Staatsanwaltschaft setzte ihm daraufhin eine Frist, sich bis zum Sonntag bei der Polizeiwache in Menton auf der französischen Seite der Grenze bei Ventimiglia zu melden. Das französische Präsidialamt teilte am Samstagabend mit, ein Gnadengesuch Kerviels werde, wenn er es stelle, „entsprechend dem üblichen Verfahren“ geprüft. Kerviel hatte von Hollande Straffreiheitsgarantien für Zeugen verlangt, die ihn durch ihre Aussagen entlasten könnten.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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