Skip Brittenhams Erfolgsgeheimnis: Er verhandelt für Stars und Studio-Bosse
Der große Hollywood-Dealer

Der Mann mit der Baseballkappe auf dem Kopf kniet im Fluss und strahlt wie ein Teenager im Adrenalinfieber. In den Händen hält er einen Lachs, rund 20 Pfund schwer. Harry „Skip“ Brittenham geht gerne angeln. Wenn nicht in den Flüssen dieser Welt, dann im Haifischbecken Hollywood.

HB LOS ANGELES. Der 64-jährige Amerikaner zählt zu den erfolgreichsten Entertainment-Anwälten der Welt. Seine Klienten bringen es auf den Punkt: „Skip ist der Beste“, sagt Harvey Weinstein, einstiger Mitgründer der Miramax-Filmstudios. Und Oscar-Gewinner Tom Hanks bestätigt: „Keiner ist so gut vernetzt in Hollywood wie Skip.“

Steven Spielberg, Michael Eisner, Harrison Ford, die Weinstein-Brüder – gibt es ein juristisches Problem, ist Brittenhams Kanzlei in Beverly Hills oft die erste Adresse. Warum? Was macht ihn zu einem solchen Superstar in Hollywood? In einer Stadt, in der es mehr Anwälte gibt als Polizisten? „Es ist seine Geduld, seine Durchsetzungskraft und sein Gespür für den ganz großen Deal“, erklärt Joe Roth, ehemaliger Chef der Walt Disney Studios.

Der große Deal. Was ihm wirklich einen Sonderstatus in der Entertainment-Welt einräumt, ist die Tatsache, dass er sowohl die Rechte der Studios wie auch die Gegenseite, also Regisseure und Schauspieler, vertritt. In der einen Minute formuliert er einen Vertrag für die Bosse von Century Fox, in der nächsten verteidigt er die angestellten Fox-Regisseure Tony und Ridley Scott.

Interessenkonflikt? In jedem anderen Industriezweig sind solch engen Verbindungen unvorstellbar. In Hollywood zählen die Kontakte, die Brittenham zu den Studio-Chefs, den Regisseuren und den Stars hält, als unschätzbarer Wert. Und so schimpft auch Disney-Boss Jefferey Katzenberg nicht, wenn Hausanwalt Brittenham gleichzeitig die Interessen von Konkurrent Pixar vertritt. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als habe Brittenham wesentlichen Anteil daran, dass die verfeindeten Studios schon bald wieder gemeinsam über Projekte verhandeln wollen.

Skip Brittenham wuchs als Sohn eines Air-Force-Piloten auf. Auch er wollte zur Luftwaffe. Aber eine Augenverletzung machte die Pläne zunichte. Also studierte er Jura. Bekannt in der Branche wurde er, als er – eher durch Zufall für einen seiner Schauspiel-Kunden – den so genannten „Backend-Deal“ aushandelte.

Henry Winkler war ein Seifenoper-Star in den USA Mitte der 70er-Jahre. Sein Anwalt riet ihm eines Tages, einfach nicht zur Arbeit zu erscheinen. „Bleib für einen Tag zu Hause. Es wird dein Leben verändern“, riet Brittenham. Die Taktik funktionierte. Paramount sicherte seinem Star neben dem ausgehandelten Lohn damals eine Beteiligung am Profit zu. Der „Backend-Deal“ war geboren und wird noch heute von Stars wie Tom Cruise genutzt. Neben einem Gehalt von 20 Millionen Dollar für seine Rolle in „Mission: Impossible 2“ erhielt Cruise weitere geschätzte 65 Millionen Dollar durch Gewinnbeteiligungen an Kinotickets, DVD-Verkauf und Merchandising. Brittenham sei Dank.

Nun wäre Brittenham kein echter Hollywood-Anwalt, hätte er keine einzige Macke. Aber keine Angst, er kann auch damit dienen. Wenn die Fische am Russian River beißen, packt er die Ruten ein und zieht los. Ohne Handy, ohne Nachricht. Selbst der große Deal muss dann warten.

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