Smalltalk hasst er
Alle mögen „Ossi“

Der Chef der Credit-Suisse-Gruppe, Oswald Grübel, plant den vierten Umbau des Schweizer Finanzkonzerns. Seitdem Grübel die zweitgrößte Schweizer Bank allein leitet, ist deren Kurs deutlich gestiegen.

ZÜRICH. „Manager“, sagt Oswald Grübel mit seiner tiefen, raumfüllenden Stimme, „sind Menschen. Sie wollen auch gelobt werden.“ Dann verzieht er das Gesicht, die Augen hinter der runden Brille werden noch schmaler, über die Stirn legen sich Falten, und sein Grinsen wirft Spott auf sich und seine Zuhörer. Aber bitte: Seitdem Grübel die zweitgrößte Schweizer Bank Credit Suisse Gruppe (CSG) allein leitet, ist deren Kurs deutlich gestiegen. Die Märkte mögen „Ossi“, wie ihn Vorstandskollegen nennen.

Das liegt zuallererst daran, dass der Deutsche mit der massigen Statur alles andere als ein Schöngeist ist. Smalltalk hasst er. „Meine Therapie“, sagt er, unterbricht den Satz durch ein Räuspern, das er immer wieder als Denkpause nutzt, um dann druckreif sprechen zu können, „meine Therapie ist das Geschäft.“ Und das Geschäft besteht im Geldverdienen. So einfach ist das.

Er selbst versteht etwas davon. Sein Privatvermögen wird auf eine dreistellige Millionensumme geschätzt. In seiner Kommandobrücke am Züricher Paradeplatz flackern die Börsenbildschirme. „Ich will den Markt fühlen“, sagt er. „Gewinne lösen bei ihm noch immer rauschähnliche Gefühle aus“, glaubt ein Mitarbeiter.

Es soll aber vorkommen, dass sich der 61-Jährige auch Gedanken darüber macht, welches der beste Weg für seine Bank zum Geldverdienen ist. Das Ergebnis, das er in der vergangenen Woche vorstellte, ist die Konzentration der Credit Suisse Gruppe auf sich selbst. Das Nebeneinander der New Yorker Investmentabteilung Credit Suisse First Boston (CSFB) und des Züricher Kerngeschäfts will Grübel beenden.

Er zieht damit einen Schlussstrich unter eine Entwicklung, die in einer Doppelspitze – Grübel in Zürich und der Amerikaner John Mack an der Spitze der Investmentbank – ihre absurde formale Entsprechung gefunden hatte. Mitte dieses Jahres kam es zum Bruch zwischen Mack und dem Verwaltungsrat der Bank. Der Amerikaner wollte die Schweizer Großbank an die Weltspitze führen und setzte sich daher unter anderem für eine Fusion mit der Deutschen Bank ein. Als er damit nicht durchdrang, verließ er in diesem Sommer die Bank. Dem Verwaltungsrat war ein bodenständiger Grübel lieber als ein ehrgeiziger Mack.

Seitdem wird wieder umgebaut bei der Credit Suisse. Seither steht auch der Name „First Boston“ zur Disposition. Es hätte etwas Symbolisches, ihn abzuschaffen. Dass diese Entscheidung noch auf sich warten lassen wird, macht ein Vorstandskollege klar: „Der Ossi weiß: Mit Symbolik verdienst du kein Geld.“

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