Societas Europaea: Nadelstiche gegen die Mitbestimmung

Societas Europaea
Nadelstiche gegen die Mitbestimmung

"Die SE bildet unsere Realität besser ab"

Handelsblatt: Herr Drotleff, das Softwareunternehmen Mensch und Maschine hat sich im Dezember in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) gewandelt. Wie arbeitet es sich in dieser neuen Rechtsform?

Drotleff: Es ist keine tief greifende Veränderung. Aber unsere Führungsstrukturen sind deutlich straffer geworden, weil wir als mittelständische, börsennotierte Gesellschaft nun monistisch geführt werden ...

... als AG hatte die Firma einen Aufsichtsrat und Vorstand, nun gibt es nur noch einen Verwaltungsrat als Leitungsgremium.

Das beschleunigt manche Entscheidungen, man muss nicht die Unterschriften von zwei Gremien einholen. Einen solchen Wechsel vom deutschen Dualprinzip hin zum mehr angelsächsisch geprägten Boardsystem hat erst die SE möglich gemacht.

War dies das Hauptmotiv für den Wechsel?

Als SE wird die Realität in unserem Unternehmen viel besser abgebildet. Ich bin ja nicht nur Chef, sondern habe mit 43 Prozent Aktienanteil auch eine Hauptversammlungsmehrheit, kann also ohnehin einen Aufsichtsrat nach meinem Ermessen bestimmen. Da ist es ehrlicher, zu einem Boardsystem zu wechseln, in dem ich Verwaltungsratsvorsitzender und Geschäftsführender Direktor zugleich bin.

Führung und Kontrolle in einer Hand - das ist auch bei vielen Familienunternehmen der Fall. Ist die SE für sie eine Alternative?

Nicht in jedem Fall. Ich halte die SE aber für die ideale Rechtsform für kleine börsennotierte Aktiengesellschaften, die international tätig und mehrheitlich in Unternehmerbesitz sind. Eben weil sie das dann nicht erforderliche Dualprinzip aufhebt.

War die Umwandlung aufwändig?

Das hielt sich in Grenzen, die externen Kosten lagen zwischen 30 000 und 40 000 Euro. Darunter fallen auch Kosten für die Einigung mit Aktionären, die gegen die Umwandlung geklagt hatten, also den üblichen Berufsopponenten. Aber man spart ja auch etwas: die Vergütung des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Was bietet Ihnen die SE noch?

Wir sind als mittleres Unternehmen nicht mitbestimmungspflichtig. Falls dies eines Tages aber drohen sollte, etwa weil so stark gewachsen sind, würde ich ernsthaft die Verlagerung des Unternehmenssitzes ins Ausland prüfen, um der Mitbestimmung zu entgehen. Das steht zwar derzeit nicht zur Debatte. Aber als SE kann man problemlos und schnell verlagern, nicht nur in EU-Länder, sondern beispielsweise auch in das EWR-Mitglied Schweiz.

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