Société Générale
Bouton hält an seinem Amt fest

Der Chef der angeschlagenen französischen Großbank Société Générale will von einem Rücktritt nichts mehr wissen. Von Corporate-Governance-Experten wird Bouton dafür scharf kritisiert: „Das zeigt, dass er nichts verstanden hat.“

PARIS. Daniel Bouton, Chef der Großbank Société Générale, will trotz nachgewiesener Lücken im Kontrollsystem der Bank keine persönlichen Konsequenzen ziehen. „Mein Rücktrittsangebot liegt nicht länger auf dem Tisch“, sagte Bouton zur Zeitung „Les Echos“. Zweimal habe er nach Bekanntwerden des Händler-Skandals um Jérôme Kerviel dem Verwaltungsrat seinen Rücktritt angeboten, dieser habe stets abgelehnt. Bouton: „Man kann nicht ewig so weitermachen.“ Auch die Frage einer Trennung seiner Doppelfunktionen als CEO und Präsident des Verwaltungsrates „stellt sich derzeit nicht“, befand er.

Aktionärsschützer und Corporate-Governance-Experten kritisierten scharf das Verhalten des Bank-Chefs. „Das ist ein sehr schlechtes Signal für die Corporate-Governance-Kultur in Frankreich“, sagte Pierre-Henry Leroy, Präsident von Proxinvest, einem Fonds-Berater in Fragen der guten Unternehmensführung. „Das zeigt, dass er nichts verstanden hat.“ Auch Colette Neuville, Frankreichs bekannteste Aktionärsschützerin beklagt, dass ausgerechnet der Autor des französischen Corporate-Governance-Kodex Aktionärsrechte missachte: „Nicht Bouton, die Aktionäre der Bank entscheiden über seinen Verbleib“, sagte Neuville.

Die Diskussion über Boutons Verbleib an der Spitze der Société Générale ist entbrannt, nachdem Ende Januar die Bank die betrügerischen Geschäfte ihres Derivate-Händlers Jérôme Kerviel an den Tag brachte. Kerviels unerlaubte Index-Wetten kosteten die Société Générale 4,9 Mrd. Euro. Die Bank platziert derzeit eine Kapitalerhöhung von 5,5 Mrd. Euro, um dieses Loch zu stopfen.

In den USA mussten die Chefs der Großbanken Merrill Lynch und Citigroup sofort gehen, nachdem ihre Institute Milliarden im Zuge der US-Hypothekenkrise abschreiben mussten. Im Unterschied dazu will aber auch der Chef der Schweizer Großbank UBS, Marcel Ospel, im Amt bleiben.

Auch Société-Générale-Chef Bouton glaubt, seinen Chefsessel auf lange Sicht behalten zu können. Dabei hat ein interner Untersuchungsbericht der Bank gezeigt, dass die internen Risiko-Kontrollen gefährliche Lücken aufwiesen. So wurden die nominalen Positionen der Händler nicht ausreichend geprüft. Aktionärsschützerin Neuville geht daher auch mit dem Verwaltungsrat der Bank hart ins Gericht: „Auf der nächsten Hauptversammlung stellt sich die Frage nach seiner Verantwortung“, urteilt sie. Es es unverständlich, dass erst nach einem Milliarden-Betrug sich die Aufseher intensiv mit den bankeigenen Risikokontrollen beschäftigen.

Corporate-Governance-Experte Leroy wies darauf hin, dass Boutons kritikwürdiges Verhalten im Gegensatz dazu steht, dass sich Aktionäre immer öfter vom Vorstand ihrer Gesellschaft emanzipieren. Nach einer Studie seines Hauses haben Aktionäre in der abgelaufenen Hauptversammlungs-Saison rund fünf Prozent der Anträge des Vorstandes abgelehnt – so viel wie noch nie.

Auch an der Börse hinterließen Boutons Äußerungen Spuren. Die Aktie stagnierte in einem positivem Gesamtmarkt. Analysten werten Boutons Verbleib als Zeichen, dass bis auf weiteres die Bank keine Fusion zulassen wolle.

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