Société Générale: Ermittlungen gegen Kerviel vor Abschluss

Société Générale
Ermittlungen gegen Kerviel vor Abschluss

Es gibt über ihn vier Bücher, sogar einen Comic und 1 569 Nutzer des Internet-Netzwerkes Facebook haben sich zu seinem Fan erklärt: Die Rede ist von Jérôme Kerviel, dem 32-jährige Ex-Trader der Société Générale. Vor einem Jahr flogen die unerlaubten Aktien-Wetten des Händlers auf – nun stehen die Ermittlungen vor dem Abschluss.

PARIS. Vor einem Jahr schockierte die französische Großbank die Märkte mit der Nachricht, dass einer ihrer Trader der Bank mit unerlaubten Aktien-Wetten einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro beschert hatte: Jérôme Kerviel, einfacher Händler am Desk „Delta-One“.

Ein Jahr später stehen die Ermittlungen der beiden Untersuchungsrichter Renaud Van Ruymbeke und Françoise Desset vor ihrem Abschluss. Sie ermitteln gegen Kerviel wegen des Verdachts der Untreue, Dokumentenfälschung und Eingabe falscher Daten in ein Informationssystem. Es gibt so gut wie keine Zweifel daran, dass sie Anklage erheben werden. Doch mit dem Beginn der Hauptverhandlung wird erst 2010 gerechnet.

Die Verhöre von Kerviel und seiner Vorgesetzten haben keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse über die Vorgänge gebracht. Der Ex-Händler räumt selbst ein, sein Handelslimit von 250 Mio. Euro massiv überschritten zu haben; seine Geschäfte hatten am Ende ein Volumen von 50 Mrd. Euro erreicht. Um nicht erwischt zu werden, hatte Kerviel fiktive Gegengeschäfte gebucht und diese mit gefälschten E-Mails belegt.

Das alles räumt der 32-Jährige ein; im Zuge der Ermittlungen hat er aber seine Verteidigungsstrategie geändert: Seit Juli wollen seine Anwälte die Untersuchungsrichter davon überzeugen, dass die Kollegen und Vorgesetzten von Kerviels Wetten auf dem Laufenden waren und ihn de facto deckten. „Ich habe falsche Erklärungen abgegeben, die aber für jeden Profi sofort zu durchschauen gewesen wären“, erklärte Kerviel er am Freitag bei seiner letzten Anhörung. Sprich: Solange Kerviel Gewinne wie im Jahr 2007 machte, drückten seine Chefs wohlwollend beide Augen zu.

Eine Version, die die Verantwortlichen der Société Générale abstreiten. Die verschiedenen Untersuchungen der Bank und von Wirtschaftsprüfern über die Vorgänge haben zwar Versagen der internen Kontrollen der Bank offen gelegt; aber für eine aktive Mithilfe der Vorgesetzten und Kollegen haben sich bislang keine Belege gefunden. Das scheinen auch die Ermittlungsrichter so zu sehen. Denn wenn er gedeckt wurde, hätte er seine Deals nicht mit gefälschten Gegengeschäften verstecken müssen. Für die Bank ist das Thema erledigt, sie hat andere Sorgen: Die Verluste aus der Finanzkrise sind bei der Société Générale mittlerweile größer als die Kosten der Kerviel-Affäre. Andererseits ist die Krise für sie ein Glück: Keine Bank hat derzeit das Geld, die Société Générale zu übernehmen, wie es sonst wohl nach dem Betrug Konkurrenten versucht hätten.

Kerviel und seine Biographen dagegen haben Pech in der Krise: Das Interesse an ihm sinkt und die Bücher verkaufen sich mehr schlecht als recht.

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