Société Générale
Frédéric Oudéa: Neuer Mann mit alter Mission

So jung, und schon Präsident: Der CEO der Société Générale, Frédéric Oudéa, ist mit nur 45 Jahren nun auch Board-Chef der französischen Bank. Seine Aufgabe wird es sein, vor allem die Unabhängigkeit des Finanzkonzerns zu wahren. Zudem muss er den gestörten Draht zur Staatsspitze wieder herstellen.

PARIS. Sichtlich zufrieden steht Frédéric Oudéa, nunmehr Vorstandschef und Board-Präsident der Société Générale in Personalunion, mit den Händen in den Anzugtaschen auf dem Podium und posiert für die Fotografen. Eine halbe Drehung nach links, dann eine nach rechts – „So, jetzt fangen wir an, meine Herren“, unterbricht er schließlich sein Shooting und leitet die Pressekonferenz zu den Quartalszahlen ein.

Nach einer guten Stunde ist Oudéas gute Laune verflogen. Denn die Zahlen sind schlecht, und die Journalisten haben sichtbare Schwierigkeiten damit, den Optimismus des neuen Bank-Präsidenten zu teilen.

Schlimmer noch: Sie stellen seine Reform-Bereitschaft in Frage: „Wenn ich mir Sie so anhöre, Herr Oudéa, dann klingen sie wie ihr Vorgänger Daniel Bouton. Was haben Sie eigentlich verändert?“, fragt eine Reporterin. „Sie können die Strategie einer Bank nicht an einem Quartal messen“, mault er zurück.

Nach seinem Blitzaufstieg hat Frédéric Oudéa noch einen langen Weg vor sich, aus dem Schatten seines Übervaters Daniel Bouton zu treten. Dieser prägte in zehn Jahren an der Spitze der Bank nicht nur das Geschäftmodell der Société Générale als internationale Retailbank mit starkem Investment-Banking; er prägte auch die Kultur das Hauses, stets zu den Besten gehören zu müssen. Und er prägte Oudéa, den er einst als Ziehsohn in die Bank holte.

Einen Schritt, sich von Bouton zu lösen, tat die Bank allein damit, den Posten des Board-Chefs wieder mit jenem des CEO in einer Person zu vereinigen. Bouton hatte in seinem Abschiedsinterview im „Figaro“ für eine Trennung beider Funktionen plädiert. Dies sei „besonders angemessen in den Zeiten der Krise“, urteilte er. Bouton musste nach dem Skandal um den Händler Jérôme Kerviel erst als Vorstandschef, und jetzt auch als Board-Präsident Oudéa weichen. Der will nicht alles anders, aber vieles besser machen: das Geschäftsmodell der Bank vorsichtig überarbeiten und die Investmentbank stärker auf das Kundengeschäft und weniger auf den Eigenhandel ausrichten. Für Änderungen hat er nun freie Bahn, denn als Präsident des Verwaltungsrates hat Oudéa stärkeren Einfluss auf die Strategie der Bank.

Zudem soll er den gestörten Draht zur Staatsspitze wieder herstellen. Hier bleibt viel zu tun, denn auf die Pläne vom Frühjahr, den Führungskräften üppige Aktienoptionen einzuräumen, regierte Staatspräsident Nicolas Sarkozy äußert verschnupft. Oudéa kennt den Staatschef persönlich gut, schließlich diente er ihm als Stabsleiter, als Sarkozy in den 90er-Jahren Haushaltsminister war.

In den ersten zwölf Monaten als CEO hat Oudéa bereits Duftmarken gesetzt. So hat er die Problemsparte Vermögensverwaltung umgekrempelt. Deren Filiale SGAM Alternative Investments hatte sich fast zu einer Art Kasino verwandelt und Milliardenverluste verursacht. SG AI wird nun mit der Fondstochter Lyxor verschmolzen und so de facto aufgelöst. Das klassische Fondsgeschäft bringt Oudéa in ein Joint Venture mit Crédit Agricole ein. Positiver Nebeneffekt: Das Gemeinschaftunternehmen wirkt wie eine Giftpille, die Angreifer abschreckt. Denn ein Übernehmer der Société Générale müsste das Joint Venture mühsam auflösen.

Das kann als Beleg dafür gewertet werden, dass es der sportlich wirkende Bank-Chef ernst meint, wenn er sagt: „Die Société Générale hat die Mittel, eigenständig zu bleiben.“ Spekulationen über eine drohende Übernahme gehören zur Société Générale wie ihre Hausfarben Schwarz und Rot. Dazu übernimmt der frisch ernannte Präsident Oudéa auch ein Portfolio von rund 20 Mrd. Euro an Risikopapieren - das könnte in den kommenden Quartalen noch für böse Überraschungen sorgen. Oudéa tritt kein leichtes Erbe an.

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