Sodexho-Chef Landel
Kantinenküche und Cancan

Michel Landel trägt einen Spitznamen, der im Land der Gourmets und Sterne-Köche wohl nur bedingt als positiv einzustufen ist: „König der Kantinen“ nennt man ihn in Frankreich. Vielleicht aber nicht mehr lange. Seine Neuerwerbung ist jedoch etwas schlüpfrig.

PARIS. Landel, der Vorstandschef des weltweit größten Catering-Unternehmens Sodexho, hat kürzlich die Speisekarte seines Konzerns pikant erweitert. Zusätzlich zu Mittagsgerichten für Schulen, Krankenhäuser oder Kantinen der US-Armee liefern die Franzosen künftig auch nacktes Fleisch: Sodexho hat 55,5 Prozent des berühmten Pariser Kabaretts Lido auf den Champs-Elysees übernommen.

„Wir setzen auf unsere Entwicklung im Bereich des Paristourismus“, erklärte der 54-jährige Landel, der erst seit dem vergangenen September den Konzern mit einem Umsatz von 11,7 Milliarden Euro leitet. Der zurückhaltende Manager mit der runden Brille kennt die Welt von Strass, Straußenfedern und halb bekleideten Tänzerinnen bestens. Schon seit 1997 liefert Sodexho das Essen für das Revuetheater, rund 900 Menüs pro Abend.

Und ohnehin leistet sich Sodexho einige Töchter aus dem Unterhaltungs- und Urlaubsgeschäft: So gehören dem Konzern schon die Pariser Touristenschiffe auf der Seine, die „Bateaux Parisien“. Und das Unternehmen bereitet die Essen für den Tennis-Tempel Roland-Garros zu, wo jährlich die French Open ausgetragen werden, eines der renommiertesten Turniere der Welt.

Nicht nur beruflich, auch privat begeistert sich der Vater von drei Kindern für Küche und Kochen. Er steht gern selbst am Herd und brutzelt für Familie und Freunde. Neben Fußball und Wassersport ist das seine große Leidenschaft.

Mit dem Kauf der Lido-Anteile – laut Gerüchten für 20 Millionen Euro – hat Landel bewiesen, dass er eine neue Strategie für Sodexho verfolgt. Nach der geographischen Erweiterung sucht der Konzern nach neuen Servicegebieten. In 76 Ländern beschäftigt der Caterer 313 000 Angestellte. Landel selbst war maßgeblich an der Wachstumsstrategie beteiligt. Der in Marokko geborene Manager, diplomiert an der European Business School in Paris, arbeitete kurze Zeit bei der Chase Manhattan Bank. Doch schon 1984 stieg er bei Sodexho ein. Er war zuerst für Ost- und Nord-Afrika verantwortlich. Dann übernahm er den nordamerikanischen Markt, wo er sich für den Chefposten profilierte. Für Sodexho macht der US-Markt die Hälfte des Umsatzes aus.

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