Soffin-Chef im Profil
Hannes Rehm: Der Unruheständler

Irgendwie passt Hannes Rehm genau zu seinem Job oder der Job genau zu ihm. Wie man es auch dreht oder wendet: Als Chef des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, auch Soffin genannt, wirken Starallüren deplatziert.

FRANKFURT. Klare Vorgaben, ein korrekter Umgang mit Freund und Feind, mit Politikern wie Bankern, und ein gutes Stück Kühle und Distanz erleichtern den Spitzenjob beim Bankenrettungsfonds. All das bringt der Berliner Rehm mit. Das wird an einem schwülen Abend in der schmucklosen Bundesbank-Villa aus dem 19. Jahrhundert in der Frankfurter Taunusanlage sechs deutlich, in deren Räumen der Soffin sitzt. Bedächtig, manchmal etwas umständlich formuliert Rehm seine Sätze. Es ist diese ihm eigene, vorsichtige Art, die dem 66-Jährigen bislang viel Erfolg gebracht hat - zuletzt bei der Norddeutschen Landesbank in Hannover, die der hochgewachsene Manager bis zu seinem Abschied Anfang des Jahres fast unbeschadet durch die Finanzkrise geführt hatte.

Er war zu gut, wie sich bald herausstellte. Einen solchen Experten wollten die Berliner Politiker als Unterstützung an ihrer Seite haben, nachdem sein langjähriger Weggefährte Günther Merl, der ehemalige Chef der Landesbank, beim Soffin die Brocken hingeworfen hatte. Denn eigentlich hatte er seiner Ehefrau Sigrid versprochen, dass er die Aufgabe nicht übernehmen würde. Als die Kanzlerin Angela Merkel dann persönlich zum Hörer griff, ließ er sich doch in die Pflicht nehmen. Mit Frau Merkel verbindet ihn eine besondere Beziehung. Sie fragt den Mann mit der preußischen Disziplin schon länger gelegentlich um Rat in Finanzfragen. Das würde er selbst zwar nie zugeben. Doch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erzählt schon einmal, wie sehr die Kanzlerin den Banker schätzt. Ein erster Kontakt entstand Anfang der 90er-Jahre als sich Rehm als Vorstand der NordLB um Mecklenburg-Vorpommern kümmerte. In Vorpommern liegt Merkels Wahlkreis.

Die Folgen zeigen sich heute: Aus dem Ruhestand des hochgewachsenen Managers mit dem leicht mitschwingenden Berliner Dialekt wurde ein Unruhestand. Und die Worte von Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring zu seinem Abschied bei der NordLB klingen beinahe hellseherisch. Im Januar hatte Möllring Rehm mit den Worten getröstet: "Sie haben ja rechtzeitig eine Reihe von Ämtern übernommen, insofern wird es eher ein Unruhestand werden." Recht hatte er, auch wenn es mit dem Soffin am Ende anders kam als ursprünglich gedacht.

Bislang regiert der diplomatische, aber auch selbstbewusste Rehm aus dem Soffin-Gebäude, das im Inneren den Charme eines Einwohnermeldeamts versprüht, mit großem Erfolg. Das bescheinigen ihm auch kritische Zeitgenossen. Das Verhältnis zur Politik hat sich im Vergleich zur Situation bei seinem Vorgänger Merl entspannt. Und weitaus wichtiger: Die Lage bei den Banken sieht heute viel besser aus. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst des Soffin, der den Instituten mit Garantien und Beteiligungen hilft.

Trotz aller Erfolge, bei einem Thema wirkt die Miene Rehms besorgt: beim Thema Bad Bank. Er hat Angst vor den Folgen, wenn die Banken nicht das Angebot des Soffin nutzen und ihre giftigen Wertpapiere sowie Randgeschäftsfelder in Abwicklungsbanken ausgliedern, zum Wohl der eigenen Institute und der Volkswirtschaft. Denn für ihn steht außer Frage, dass die Kreditvergabe auch in den nächsten Monaten klappen muss, wenn die Eigenkapitalanforderungen an die Institute steigen. Angesichts der Mammutaufgaben, die sich aufbauen, steht für Rehm fest: "Die Dienstfahrt der Bundesanstalt zur Finanzmarktstabilisierung kann erst beendet werden, wenn auch die Aufgaben wirklich beendet sind." Das wird sicherlich nicht zum 31. Dezember 2010 der Fall sein, wenn die Antragsmöglichkeiten der Banken auslaufen. Ehefrau Sigrid muss weiter auf den Unruheständler warten - leider.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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