Softwarebranche
Microsoft feuert seinen IT-Chef

Microsoft hat seinem obersten IT-Mitarbeiter den Stuhl vor die Tür gesetzt, weil er etwas verbrochen hat - was, verrät der Softwareriese nicht. Fakt ist: Der Mann war gut, sein Selbstbewusstsein beträchtlich - doch eine interne Untersuchung förderte offensichtlich schmutzige Wäsche zutage.

SEATTLE. Die Nachricht aus Redmond war dürr: Man habe sich von Stuart Scott, dem Chief Information Officer getrennt, teilte Microsoft mit. „Scott’s Mitarbeit bei Microsoft endet Anfang November.“ Und weiter: Der Grund sei ein „Verstoß gegen die Firmenpolitik“. Schluss, Ende, mehr gab es nicht.

Der weltgrößte Softwarekonzern ist bekannt dafür, dass er bei Verfehlungen und mangelhafter Leistung mit Personalentscheidungen nicht lange fackelt. Und doch, dieses Mal lässt die Mitteilung aufhorchen. Scott war für die IT-Infrastruktur von Microsoft zuständig. Galten solche CIO’s lange Jahre eher als interner Dienstleister für die Unternehmen, die Pflicht eben und nicht die Kür, so hat sich diese Rolle in letzten Jahren massiv verändert.

Die IT ist zum strategischen Instrument von Unternehmen geworden. Das gilt für sämtliche Industrien, es gilt aber natürlich besonders für einen IT-Riesen wie Microsoft. Der Konzern testet große Teile seiner Produkte zunächst im eigenen Hause. So gesehen ist die eigene IT-Abteilung einer der besten Kunden des Softwarekonzern, sie hat also große strategische Bedeutung.

Scott selbst hatte vor kurzem in einem Interview eine besondere Rolle für sich reklamiert. Er sei viel wichtiger als andere CIO’s vor ihm. Sei es früher vor allem darum gegangen, die IT-Systeme für die Mitarbeiter am Laufen zu halten, gehe es heute darum, zu lernen, wie moderne Unternehmen mit Hilfe moderner Software trotz ihrer Größe flexibel und agil bleiben könnten, berichtete er.

Der besondere Job dokumentierte sich auch organisatorisch. Scott unterstand Chief Operating Officer Kevin Turner, der seinerseits direkt an Firmenchef Steve Ballmer berichtet. IT-Manager Scott hat viel Erfahrung mit großen Unternehmen. Er hatte im Juli 2005 bei Microsoft angeheuert, nachdem er vorher 17 Jahre beim Mischkonzern General Electric beschäftigt war. Seine Leistungen waren intern und extern anerkannt. das renommierte CIO Magazin in den USA führte Scott im Jahr 2003 als einen der wichtigsten 100 CIO’s des Jahres.

Welcher Art seine Verfehlungen sind, das bleibt völlig unklar. Microsoft verweigerte jeglichen Kommentar. Fakt ist: Es hatte zuvor eine interne Untersuchung gegeben. Im Zuge dessen war in den USA bereits seit längerem über einen Abschied von Scott gemutmaßt worden. Doch bis zuletzt hatten Sprecher des Unternehmens dies dementiert. Wer Scott nun beerben wird, steht noch nicht fest. Vorerst werden seine Aufgaben von Vizepräsident Alain Crozier und Abteilungschef Shahla Aly wahrgenommen.

Der Fall erinnert an zwei andere Top-Manager, die in den vergangenen zwei Jahren Microsoft von heute auf morgen verlassen mussten. Im Juni 2006 feuerte der Konzern Martin Taylor, Marketingmanager des Unternehmens. Er war 13 Jahre für Microsoft tätig gewesen. Auch der Personalchef Ken DiPetro musste seinen Stuhl kurzfristig räumen. In beiden Fällen hat das Unternehmen bis heute zu den genauen Hintergründen geschwiegen.

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