Solvency II
Versicherungen stehen vor Zeitenwende

Bislang decken die EU-Solvabilitätsanforderungen nur Versicherungsrisiken ab, während die Unternehmen in Zukunft auch verpflichtet sein sollen, Kapital zur Absicherung des Marktrisikos, des Kreditrisikos und des operationellen Risikos zu halten. Mit den neuen Vorschriften im Rahmen von Solvency II werden viele Anbieter auch ihr Geschäftsmodell verändern.

rob/sce FRANKFURT. Die künftigen Solvabilitätsvorschriften der Europäischen Union (Solvency II) für die Versicherungswirtschaft gefährden nach Ansicht des Verbandes der Firmenpensionskassen (VFPK) die Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland. Wie der Verband gestern in Berlin mitteilte, würden die geplanten Eigenkapitalanforderungen zu einer "deutlichen Verteuerung" der kapitalgedeckten Altersvorsorge führen.

Pensionskassen seien nach den Solvency-II-Regeln gezwungen, ihre Kapitalanlagen in Aktien künftig zu halbieren. Dies werde sowohl den Aktienmarkt als auch die Ertragserwartungen der Leistungsempfänger erheblich beeinträchtigen. Der VFPK forderte für betriebliche Versorgungseinrichtungen ein gesondertes Regelwerk. Die Bundesregierung sei aufgefordert, im Zusammenhang mit der bevorstehenden Gesetzgebung die Auswirkungen der Solvabilitätsregeln auf Pensionskassen und Versorgungswerke zu überprüfen.

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy stellte den umfangreichen Richtlinienentwurf gestern in Straßburg vor dem Europaparlament vor, der das neue EU-Rahmenwerk für die Assekuranz ist. Den geplanten Regeln zufolge müssen die Versicherungsunternehmen mittels interner Verfahren ihre Risiken und ihre Solvabilität ermitteln. Dadurch soll die finanzielle Solidität der Versicherer gestärkt werden. Bislang decken die EU-Solvabilitätsanforderungen nur Versicherungsrisiken ab, während die Unternehmen in Zukunft auch verpflichtet sein sollen, Kapital zur Absicherung des Marktrisikos, des Kreditrisikos und des operationellen Risikos (zum Beispiel Misswirtschaft) zu halten.

Nach Ansicht von Allianz-Vorstand Paul Achleitner wird das zu erheblichen Umwälzungen führen: "Künftig wird die Assekuranz verstärkt Risiken an Investoren am Kapitalmarkt weiterreichen", sagte er in Frankfurt. Wie die Banken bei Krediten bereits vorgemacht hätten, stünden auch die Versicherungen davor, sich vom Risikoträger zum Risikohändler zu mausern.

Noch sei die Verbriefung von Versicherungsrisiken in der Form eines handelbaren Wertpapiers in der Assekuranzbranche nicht besonders ausgeprägt. Angesichts der neuen Eigenkapitalvorschriften bei Versicherungen nach Solvency II, führe daran jedoch kein Weg vorbei.

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