Sonnige Aussichten
Asbeck glänzt mit Solarworld

Frank Asbeck hat es vom Gründungsmitglied der Grünen zu einem erfolgreichen Unternehmer und Millionär gebracht. Seine Solarworld AG hat Sonnenenergie für die Börse hoffähig gemacht.

BONN. Jeans und Trachtenjacke sind zu seinem Kennzeichen geworden. In dieser Kluft zeigte sich Frank Asbeck auch vergangenen Freitag auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens Solarworld im Bonner Presseclub. Die Präsentation der trockenen Bilanzzahlen überlässt der Gründer und Vorstandschef seinem Finanzchef Philipp Koecke. Doch kommt das Gespräch auf die Zukunft der Solarenergie und die Aussichten für seine Firma, ist Asbeck wieder in seinem Element: redselig wie eh und je.

Asbeck hat allen Grund, den Mund vollzunehmen. Die Zahlen von Solarworld sind glänzend: Der Gewinn für 2005 hat sich nach Steuern verdreifacht, die Dividende steigt von 18 auf 50 Cent. Solarworld hat sich zum erfolgreichsten deutschen Solarkonzern entwickelt. Das macht neugierig. Kamen noch vor zwei Jahren nur wenige Journalisten und Fotografen zur Bilanzpressekonferenz, so war der Saal am Freitag übervoll. Interviews und Fernsehauftritte häufen sich, bei TV-Talker Reinhold Beckmann ist Asbeck bereits eingeladen. Asbeck gefällt das: „Der Medienrummel freut mich ungeheuer.“ Da kann er über die sonnige Zukunft der Solarenergie reden, über das rasante Wachstum seiner Firma – und seine Überzeugung ausmalen, dass Solarstrom schon 2012 so billig sein werde wie konventioneller Strom. „Ich bin gerne der Außenminister unseres Unternehmens“, sagt der Firmenchef.

Die kommunikative Ader hat der 1959 – Asbeck: „Ein gutes Weinjahr!“ – in Hagen geborene Westfale von seiner Mutter, einer gebürtigen Lothringerin. Sein Vater führte einen Schmiedebetrieb. Zusätzlich half der langjährige Aufenthalt im rheinischen Bonn, wo Asbeck seit den achtziger Jahren lebt. Und noch etwas hat den Unternehmer geprägt: seine angeborene Legasthenie: „Da ich mich beim Schreiben sehr konzentrieren muss, habe ich gelernt, gut zuzuhören und mich genau auszudrücken.“

Zunächst zieht es Asbeck in die Politik. Als Gründungsmitglied der Grünen wird er Mitglied im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises. Aber schon 1987 hat Asbeck genug: „Die nächtelangen Diskussionen dauerten mir zu lange und waren nicht zielführend. Ich wollte lieber schlafen.“ Parteimitglied ist er aber geblieben. Nach dem Studium wählt der Diplom-Agraringenieur nicht den Weg in die Landwirtschaftsindustrie, sondern reist mit seiner Harley Davidson Typ „Fat Boy“ bis nach Afrika. In Nigeria macht er sich als Ingenieurberater selbstständig und bleibt vier Jahre. Die Harley hat er heute noch, auch die BMW mit Seitenwagen, die er lenkt, seit er 18 ist. Dazugekommen ist ein großer Geländewagen – der aber mit Rapsöl läuft.

1988 kommt Asbeck nach Bonn zurück, gründet ein Ingenieurbüro und demontiert Industrieanlagen und baut Blockheizkraftwerke. Zur Solarbranche kommt er 1990, als er die erste eigene Solaranlage verkauft. 1995 installiert er die mit 500 Kilowatt Leistung damals größte Anlage für Solarstrom in Deutschland auf einer Industriehalle in Bonn: „Ich wollte zeigen, dass das geht.“ Asbeck wird Nordeuropas erfolgreichster Verkäufer von Solarmodulen. Als „Vollblutunternehmer und Pionier der gesamten Branche“ lobt ihn Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Früh erkennt Asbeck die Chancen für die Solarbranche durch staatliche Förderung. „Er hat einen guten Riecher und eine klare Vision“, lobt Analyst Nils Machemehl vom Bankhaus M.M. Warburg. Als die rot-grüne Bundesregierung die Solar-Förderung über das 100 000-Dächer-Programm einführt und sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz abzeichnet, ist Asbecks Chance da.1999 bringt er die Solarworld AG, die er erst ein Jahr zuvor gegründet hat, an die Börse. Mit dem Geld aus dem IPO kauft er die Solarsparte von Bayer. „Dieser Kauf war ein Glücksfall für das Unternehmen“, lobt Analyst Patrick Hummel von der Landesbank Baden-Württemberg.

Einen weiteren Coup landet Asbeck Anfang Februar dieses Jahres. Solarworld kauft dem Ölmulti Shell den Großteil seiner Solarsparte ab und wird damit nach Sharp und BP zum weltweit drittgrößten Hersteller von Solaranlagen. Über den Kaufpreis spricht Asbeck nicht. Er nennt die Aktion nur einen „lucky deal“. In der Branche heißt es, dass Shell die Werke nicht auslasten konnte, da es an Silizium fehlte. Solarworld hat dagegen über ein Joint Venture mit Degussa und langfristige Lieferverträge kein Rohstoffproblem.

Die Börse bewertet Asbecks Unternehmen mit rund drei Milliarden Euro, der Gründer hält noch 26 Prozent selbst. Geldsorgen hat er keine mehr. Asbeck sagt: „Ich bin finanziell unabhängig und kann mich mit jedem Energieversorger anlegen.“ Unter 25 Prozent will Asbeck seinen Anteil an Solarworld aber nicht sinken lassen. Und den Chefsessel abgeben? Daran denkt er gar nicht – ebenso wenig wie daran, einen finanziellen Partner mit unter die Sonne von Solarworld zu holen, wie das mehrere andere Solarunternehmen gemacht haben. Für Asbeck kommt das nicht in Frage: „Ich habe einen wahnsinnigen Freiheitsdrang.“

Die Tage, als das Unternehmen noch in einem Bonner Hinterhof hauste, sind längst vorbei. Heute residiert Asbeck in einer großzügigen, mit Fahnen geschmückten Villa, der ehemaligen Landesvertretung des Saarlandes in Bonn. Modernes Design hat Einzug gehalten. Ein großer Flachbild-Fernseher bringt das Neueste von der Börse, Drucke von Joseph Beuys schmücken die Wände. Die Firma seines Bruders, „Asbeck Armoring“, Hersteller von gepanzerten Personenwagen, liegt gleich nebenan, zieht aber demnächst um.

„Solarkönig von Bonn“ nennen ihn viele. Asbeck hört das nicht so gerne, obwohl er zugibt, dass die Bezeichnung nahe liegend ist: „Ich bin kein Absolutist.“ Und fügt hinzu: „Ich halte mich an Corporate Governance.“ Mit der Trachtenjacke, den ausgebeulten Jeans, dem massigen Leib und den blonden Locken sieht er auch nicht unbedingt wie ein Herrscher aus. Zumal Frank Asbeck auch ein Genussmensch ist. Seine Sehnsucht nach guter Küche ist bekannt. Die Nobelitaliener Bonns führen den Solarworld-Chef als Stammgast.

In Freiberg in Sachsen nennen sie Asbeck sogar „Sonnenkönig“. Hier hat Solarworld im Jahr 2000 die Solarsparte von Bayer übernommen und das Werk kräftig ausgebaut zur Solarhauptstadt Ostdeutschlands. 730 Arbeitsplätze zählt der Betrieb in der strukturschwachen Gegend und stellt ein Viertel der Gewerbesteuereinnahmen des Ortes. Der weitere Ausbau ist geplant, denn Asbeck plant für das laufende Jahr 2006 20 bis 40 Prozent Umsatzplus und eine Steigerung des Gewinns von 52 auf 70 Millionen Euro. Er misst sich an den ganz Großen: „Wir haben eine Rendite wie die Deutsche Bank“, sagt Asbeck.

Der Ausbau der Wertschöpfung ist das Erfolgsgeheimnis von Solarworld. Vom knappen Rohstoff Silizium bis zum verkaufsfertigen Solarmodul stellt das Unternehmen im Gegensatz zu vielen Konkurrenten alles selbst her. Trotz der Erfolge gibt sich Asbeck nicht zufrieden. Mit seiner anderen Firma „Solarparc“ will er Solarparks errichten und sucht dafür derzeit Anleger und Standorte. Solarparc hat Asbeck schon an die Börse gebracht. Der Kurs lag mal bei 22,30 Euro. Aktuell liegt er bei nur 12,50 Euro, aber das ist doppelt so hoch wie vor einem Jahr – sonnige Aussichten.

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