Sony
„Was kann Howard-san?“

Howard Stringer startet mit dem Offensichtlichen: „Ich bin ein Ausländer.“ Das sind die ersten Worte des neuen Sony-Chefs zu den fast 6500 Aktionären, die zur Hauptversammlung in den Tokioter Stadtteil Shinagawa gekommen sind, um ihm den Segen für sein neues Amt zu geben.

TOKIO. Der gebürtige Brite, der seit zehn Jahren auch die US-Staatsbürgerschaft hat, weiß, dass seine Benennung zum Nachfolger von Nobuyuki Idei als Chairman und CEO von Sony in diesem März für Aufruhr gesorgt hat. Und um die Ressentiments zu beseitigen, fügt er auf der gestrigen Aktionärsversammlung hinzu: „Aber zuallererst bin ich ein Sony-Kämpfer.“

Kämpfen muss Stringer allerdings, denn seit Sony die Branche 2003 mit den Ertragsproblemen seiner Elektroniksparte geschockt hat, ist das einstige Vorzeigeunternehmen Japans nicht mehr so recht auf die Überholspur gekommen. Bei LCD-Fernsehern haben Sharp und Samsung Electronics ihm den Rang abgelaufen, bei DVD-Rekordern Matsushita und bei MP3-Spielern Apple. Im Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr machte das Elektronikgeschäft, das zwei Drittel des Umsatzes einbringt, operativ 254 Millionen Euro Verlust. Die anderen Sparten glichen das zwar aus. Doch Ideis Profitabilitätsziele für das kommende Jahr sind Makulatur.

Jetzt soll der stämmige, weißhaarige Stringer die Kehrtwende schaffen, die ihm im US-Geschäft gelungen ist. Im September will er die neue Konzernstrategie vorstellen.

Wohin die Reise geht, machte der 63-Jährige gestern in ruhigen Worten klar: Sony müsse sich im Elektronikgeschäft auf einzelne Bereiche fokussieren. „Wir können nicht an allen Fronten kämpfen.“ Und – Versprechen für die einen, Drohung für die anderen – er fügte hinzu: „Ich weiß, ich kann in Japan keine Axt verwenden, aber wir müssen uns ändern.“ Fast flehentlich wollte ein Aktionär von Idei wissen, was vielen durch den Kopf geht: „Was kann Howard-san, ein Ausländer, der kein Japanisch spricht, was Sie nicht können?“

Stringer selbst sieht es als seine Stärke an, Leute dazu zu bringen zusammenzuarbeiten. Klug baute er aus dem fast machtlosen Papierposten des US-Sonychefs seinen Einfluss auf das Musikgeschäft aus, brachte die Sparte dazu, mit dem Elektroniksegment zu reden. Und dies hat er sich für den Sonykonzern fest vorgenommen – was Analysten sich erhoffen –, wo die einzelnen Geschäftsbereiche traurige Berühmtheit für ihre Animositäten, Parallelentwicklungen und Blockaden erlangt haben. Auf einer Betriebsversammlung verteilte Stringer deshalb kürzlich T-Shirts mit der Aufschrift „Sony united“.

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