Soziale Verantwortung als Strategie
Ein Cent, der Schule macht

BERLIN. Ein wenig wackelig sieht die Übung schon aus. Die Kinder der Klasse 4c der Richard Gesamtschule in Berlin stehen auf einem Bein, während sie mit der rechten Hand versuchen, hinter ihrem Körper den angewinkelten linken Fuß zu berühren. Sportunterricht? Nein, Mathematikstunde. Lehrerin Hannelore Mainusch führt mit den 9- bis 10-Jährigen kleine Konzentrationsübungen durch.

„Brain-Gym“ nennt sich das auf Neudeutsch. Übungen dieser Art sollen die Lern-, Schreib- und Leistungsfähigkeit der Kinder erhöhen. Dass sich an der Berliner Gesamtschule im Unterricht mehr bewegt wird, ist auch das Ergebnis eines Pilotprojektes des Vereins Bildungs-Cent – eine Initiative des Schulbedarfs- und Schreibwarenherstellers Herlitz.

Das Unternehmen, das gerade erfolgreich seinen harten Sanierungskurs beendet hat und wieder expandiert, will die Lernkultur in Deutschland fördern. Ziel des Vereins ist es, Schulkindern frühzeitig berufsrelevante Fähigkeiten wie selbstständiges Arbeiten, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Projektarbeit zu vermitteln. Bildungs-Cent sieht sich als Impulsgeber, ohne dass Schulen eigene Mittel aufbringen müssen.

Herlitz informiert über die Initiative unter anderem in jährlich 35 Millionen Schulheften und ruft mit dem Slogan „Ein Cent, der Schule macht“ Bürger, Unternehmen und Institutionen auf, sich zu beteiligen. Den 2003 gegründeten Verein unterstützen unter anderem Edeka Südwest, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und Cinemaxx.

Handelsblatt-Serie: Unternehmerische Verantwortung

Shareholder Value und gesellschaftliche Verantwortung sind kein Gegensatz. Wer Geld verdient, kann es sich nicht nur leisten, Kunst und Kultur oder Wissenschaft und Sozialwesen zu unterstützen. Mit der richtigen Strategie wird sich Corporate Social Responsibility auch für das Unternehmen selbst rechnen. Dann haben alle Beteiligten etwas davon, die Unternehmen wie auch die Gesellschaft. Noch dominieren Spenden und Sponsoring, doch finden Partnerschaften immer mehr Anhänger. Das Handelsblatt stellt in einer zwölfteiligen Serie Unternehmen vor, die zeigen, dass gesellschaftliche Verantwortung keine Frage des Budgets ist.

Schulen können eine Fachkraft zu sich einladen, die sie dann mehrere Monate bei unterrichtsergänzenden Projekten unterstützt. Das kann eine Theater-AG sein, Gärtnern im Schulgarten, eine Online-Schulzeitung, die Gestaltung des Schulhofes oder eben ein Bewegungsprojekt. Über den Verein hat sich auch die Richard Gesamtschule einen Betreuer besorgt. Zudem gibt es für jede Klasse eine spezielle Förderbewegungsstunde. Kinder sollen dafür begeistert werden, in Sportvereinen Mitglied zu werden. Experten schätzen, dass jedes fünfte Kind in Deutschland übergewichtig ist und Gesundheitsstörungen riskiert. Anlass für Herlitz, die „Schule in Bewegung“ an zehn Berliner Schulen zu finanzieren. Auch gesunde Ernährung steht auf dem Programm.

Inzwischen bietet Bildungs-Cent das Programm bundesweit an. „Wir hoffen, genug Sponsoren zu finden, damit im Januar 100 Schulen teilnehmen können“, sagt Leiterin Silke Ramelow. Ursprünglich war sie bei Herlitz Marketing-Teamleiterin für Büroprodukte und trug entscheidend zum Aufbau der Initiative bei. Konzernintern, räumt sie offen ein, habe sie eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Ohne die Unterstützung des Vorstandes wäre das nicht gelungen.

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