Spanische VW-Tochter
Seat wechselt den Cheffahrer aus

Noch Anfang März deutete nichts auf einen vorzeitigen Abschied von Seat-Chef Erich Schmitt hin. Doch jetzt kam die Ankündigung, dass er sein Amt aufgibt und am 1. März einen Nachfolger bekommt. Der kommt von Mazda.

MADRID/WOLFSBURG. Zu Schmitts Präsentation zum Start des Genfer Autosalons waren nicht nur die entscheidenden Konzernmanager aus Wolfsburg an den Stand der spanischen VW-Tochter gekommen. Neben Vorstandschef Martin Winterkorn folgten Wolfgang Porsche und Michael Piëch, die Clanchefs der beherrschenden Familien bei Volkswagens Großaktionär Porsche, aufmerksam den Worten des 62-Jährigen. Umso überraschender kam am Mittwoch die Ankündigung, dass Schmitt sein Amt bei Seat aufgibt und eine neue Aufgabe im Konzern übernehmen soll. Sein Umfeld führt für den Schritt gesundheitliche Gründe an. Nachfolger ab 1. September wird der bisherige Mazda-Europa-Chef James Muir.

Der 50-jährige Brite tritt kein leichtes Erbe an. Wie alle anderen Autohersteller in Spanien leidet Seat wegen der Rezession unter einem starken Rückgang der Verkäufe. Schon im vergangenen Herbst sackte die Nachfrage 40 Prozent ab. Bis Ende Juni hat Seat für 27 Tage Kurzarbeit angekündigt. Es ist kein Zufall, dass mit Muir ein ausgewiesener Marketingexperte das Steuer bei dem angeschlagenen Autohersteller übernimmt.

Muir startete seine Karriere bei Ford, verkaufte erfolgreich Autos der Marke in der Schweiz, in Schottland und in Nordirland, bevor er 2001 in die Europazentrale von Mazda nach Leverkusen wechselte. Dort stieg er vor vier Jahren zum Chef auf, frischte das etwas angestaubte Image der Marke auf und kurbelte die Verkäufe an. Weil aber auch Mazda inzwischen unter der Wirtschaftsflaute leidet, hatte Muir schon vor Monaten dem Unternehmen einen rigiden Sparkurs mit umfangreichen Budgetkürzungen verordnet.

Doch Muir auf den „Car Guy“ zu reduzieren greift zu kurz: Mit dem breitschultrigen Manager lässt sich vorzüglich über die Geschichte Frankreichs oder deutsche Literatur der Gegenwart diskutieren – und wer möchte, auch gern auf Deutsch: Muir hat in Manchester deutsche Sprache und deutsche Literatur studiert.

Schmitt hinterlässt seinem Nachfolger aber nicht nur Probleme: In seinen knapp drei Jahren an der Seat-Spitze hat er akribisch die Qualität des als Billiganbieter verschrienen Herstellers bei Fertigung und Materialien gehoben und für ein schickeres Image gesorgt. Und auch die deutsche Abwrackprämie kommt Seat zugute: Die Nachfrage aus Alemania nach dem neuen Seat Ibiza liegt weit über den Erwartungen.

Mitarbeit: Martin Wocher

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
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Handelsblatt / Korrespondentin
Mark C. Schneider
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