Sparen mit Übernahmen Wie US-Konzerne vor dem Fiskus flüchten

Kaufen und sparen: US-Konzerne wie Burger King und Abbvie übernehmen ausländische Konkurrenten, um sich an deren Sitzen niederzulassen. In der Fremde zahlen sie weniger Steuern – zum großen Ärger von US-Präsident Obama.
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Burger-King-Filiale in San Francisco: Die Fastfood-Kette ist uramerikanisch – und erwägt trotzdem dem Umzug ins Ausland. Quelle: AFP

Burger-King-Filiale in San Francisco: Die Fastfood-Kette ist uramerikanisch – und erwägt trotzdem dem Umzug ins Ausland.

(Foto: AFP)

DüsseldorfBurger King steht wie nur wenige andere Firmen für den „American Way of Life“. Doch wenn es darum geht, die Steuerlast zu drücken, ist es mit dem Patriotismus nicht weit her. Die Fastfood-Kette erwägt, den kanadischen Konkurrenten Tim Hortons zu kaufen – und den Sitz in den nördlichen Nachbarstaat zu verlegen. Dort müsste der neue Restaurantriese, an dem der Finanzinvestor 3G die Mehrheit hält, deutlich weniger an den Fiskus zahlen.

Damit zieht es den nächsten US-Konzern aus steuerlichen Gründen ins Ausland. In den vergangenen Monaten verlagerten bereits diverse Pharmariesen ihre Zentralen, etwa Abbvie, das 54,8 Milliarden Dollar in Shire investierte, um sich anschließend an dessen Sitz in Großbritannien niederzulassen. Auch der Bananenproduzent Chiquita will mit der Übernahme des irischen Konkurrenten Fyffes ins Ausland ziehen - wobei ein Konsortium aus Brasilien das verhindern will.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg zählt seit Anfang 2012 mindestens 21 US-Firmen, die derartige Deals angekündigt oder abgeschlossen haben. Die Politik sieht die Steuervermeidung mit Sorge, US-Präsident Obama bezeichnete die Verlagerung gar als „unpatriotisch“. Er wolle nicht, dass sich der Trend verstärke.

„Die USA sind ein Hochsteuerland, zwar nicht bei der Einkommensteuer, aber bei der Körperschaftsteuer“, erklärt Prof. Wolfgang Schön vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen. Der Satz von rund 35 Prozent plus ein Aufschlag der Bundesstaaten liege international im oberen Bereich. „Es geht daher bei diesen neuen Gestaltungen vor allem darum, US-Körperschaftsteuer zu sparen“, erklärt der Experte gegenüber Handelsblatt Online. Zum Vergleich: Kanada, wo es Burger King hinzieht, verlangt derzeit laut einer Erhebung der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von KPMG 26,5 Prozent.

Bei der Steuerflucht spielt aber nicht allein  der Steuersatz eine Rolle: „Wenn Unternehmen in den USA inkorporiert sind, werden sie mit ihrem Welteinkommen besteuert“, sagt Schön. Das entfalle bei der Verschmelzung mit einem ausländischen Konkurrenten. Die Folge: In den USA zahlen sie nur noch auf ihre dort erzielten Gewinne Steuern, nicht mehr auf die häufig üppigen Überschüsse im Ausland. Anders als in Europa gelte das selbst dann, wenn das Management weiter in New York oder Los Angeles verbleibe, betont Schön.

Das Modell der Wahl wird in den USA „Inversion“ genannt, deutsch Umkehrung: Die Tochterfirma wird zur Mutter, beispielsweise über einen Aktientausch. Eine solche Umkehrung ist wegen einer gesetzlichen Beschränkung nur bei einem signifikanten Auslandsumsatz erlaubt. Burger King verkauft seine Buletten weltweit und erfüllt das Kriterium somit.

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4 Kommentare zu "Sparen mit Übernahmen: Wie US-Konzerne vor dem Fiskus flüchten"

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  • Anscheinend verstehen manche Kommentatoren nicht dass Firmen wie Microsoft & Co. in D Gewinne machen und sich nun zu Recht fragen welchen Mehrwert der Standort USA hat um dort alle Gewinne zu versteuern.

    Die Entwicklung und der Vertrieb sind weltweit verteilt. Vermutlich hat das indische Bildungssystem mehr Anteil an der Produktentwicklung von Microsoft als die amerikanische Infrastruktur. Der Vertrieb wird überwiegend lokal organisiert.

    Wäre die amerikanische Wertschöpfung so hoch würde es den wechselwilligen Unternehmen auch schwerer fallen den Standort zu wechseln.

  • @ Herrn Josef Schmidt

    Ja! Mit Pauken und Trompeten: "Nie wieder Burger King, schala lala la; nie wieder Burger King: schaaah lalalalala la." Und so weiter....


    Na jedenfalls nicht mit Tristesse. Auf gar keinen Fall.

  • Einfach diese Unternehmen boykottieren. Sollen die doch ihren Umsatz dort machen wo sie ihr Gewinn versteuern.

  • Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich jetzt sagen, dass es soetwas in Deutschland nicht gibt.

    Bemerkenswert, wie eine Generation den Planeten plündert und hierbei nicht an die eigenen Wurzeln denkt. Erst das Bildungssystem ausnutzen und dann nicht für die nachfolgenden Gnerationen sorgen wollen. Für die Infrastruktur nichts zahlen wollen, aber von dieser profitieren wollen. Was brauchen diese Entscheider? Ein exorbitant hohes Einkommen? -Haben sie bereits. Familie? - Haben sie bereits. Dieser Gneration fehlt es an nichts.

    An nichts? Doch da ist etwas, was fehlt: Patriotismus, ja Kultur. Offenbar sollen wir als Deutsche, als Europäer oder als Amerikaner vor diesen Unternehmen stehen bleiben, weil sie Wirtachaftswachstum erzeugen. Auf unsere Kosten. Wenn der Arbeitgeber Arbeitgeber ist, weil er Gehälter zahlt, dann sind wir als Deutsche, als Europäer oder als Amerikaner unsere eigenen Arbeitgeber: denn wir bezahlen diese Unternehmer: über den Konsum, der von unseren Gehältern finanziert, den Gehältern, die aus der Staatsschuld kommen, die wir alle bezahlen müssen.

    Wer soll diesem Spuk ein Ende bereiten? Wir? Mit gutem Wort, überzeugendem Argument, ja mit wissenschaftlichem Pathos? Nein, besser wir lassen es nicht mehr zu, das Waffen verkauft werden, kaufen wir Bio- Produkte, schalten wir den Fernseher ab. Gehen wir links von der Mitte wählen und versichern wir die Unternehmer, die nicht mit Waffen handeln, die keine Steuergelder verschleppen und Lohnbetrügereien mit Gesetzen begegnen, dass wir sie, diese Unternemher schützen wollen. Sagen wir diesen Unternehmern doch, dass sie die Infrastruktur bezahlen, weil sie zu denen gehören, die Steuern abführen.


    Wir bezahlen unser Bildungssytem aber nicht alle Studierenden haben Anspruch auf BaföG. Wir unterstützen den Einzelhandel und die Bauwirtschaft mit unseren Steuergeldern, weil ALG I und ALG II Empfänger Sozialleistungen empfangen, die nur wir als Arbeitnehmer bezahlen. Wer ist hierPrivatwirtschafts

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