Sparkassenpräsident
Naser tritt wegen Debakel bei der BayernLB zurück

Bayerns Sparkassen-Präsident Siegfried Naser tritt nun doch wegen der neuerlichen Verluste der BayernLB nach der Übernahme der österreichischen Bank HGAA zurück. Der Schritt erfolgt jetzt sehr rasch.
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ax/pk/HB MÜNCHEN/FRANKFURT. Kurz vor Weihnachten fordert der Niedergang der Bayerischen Landesbank (BayernLB) nach dem Ausscheiden von Vorstandschef Michael Kemmer ein weiteres prominentes Opfer. Sparkassenpräsident Siegfried Naser wird auf der Vorstandssitzung des regionalen Sparkassenverbandes am 12. Januar sein Amt mit Wirkung zum 31. Januar 2010 zur Verfügung stellen, teilte der Verband einen Tag vor Heilgabend in dürren Worten mit.

Noch zum Wochenauftakt hatte der 58-jährige Funktionär erklärt, er sehe "keine persönliche Schuld" am Scheitern der Landesbank. "Ich wüsste nicht, warum ich damals aufgrund der vorliegenden Informationen anders hätte entscheiden sollen." Außerdem habe der Vorstand die HGAA-Übernahme ausgeheckt. Allerdings wurde die Kritik, vor allem aus den Kommunen, immer lauter, so dass er offenbar nicht länger an seinem Amt festhalten wollte, dass seit dem Jahr 2000 bekleidet. In Finanzkreisen hieß es, gewichtige Verbandsmitglieder wie die Sparkassen in München und Nürnberg hätten ihn nicht länger unterstützen wollen.

Wegen des milliardenschweren Desasters der BayernLB mit der maroden Hypo Group Alpe Adria (HGAA) war Naser in den vergangenen Tagen zunehmend unter politischen Druck geraten. Deutschlands zweitgrößte Landesbank hat durch die Übernahme 3,7 Mrd. Euro verloren. Inzwischen ist die HGAA samt Mitgift verschenkt worden. Zuletzt war sie vor dem Zusammenbruch gestanden.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Angaben aus dem Sparkassenverband, dass es keine Millionen-Abfindung für Naser, sondern eine Ruhestandsregelung geben solle. Bis 2015 hätte er Anspruch auf insgesamt rund drei Mio. Euro Verdienst gehabt. Zu dieser Frage wollte sich der Sparkassenverband nicht äußern, ebensowenig dazu, mit welcher Begründung Naser zurücktritt.

Er gehörte von Ende 2000 bis Juli 2009 im Wechsel mit dem jeweiligen Finanzminister dem Verwaltungsrat als Vorsitzender beziehungsweise Stellvertreter des Vorsitzenden an. Somit saß er auch 2007 im Kontrollgremium der BayernLB, als diese die HGAA kaufte. Naser hatte damals von einem "genialen Schachzug" der BayernLB gesprochen. Die Sparkassen waren bis vor einem Jahr zu 50 Prozent an der Landesbank beteiligt, nach den Rettungsmaßnahmen des Freistaats sind es nur noch sechs Prozent. Nasers Vertrag wäre noch bis 2015 gelaufen.

Finanz-Professor Klaus Fleischer von der Hochschule München nannte Nasers Rücktritt "längst überfällig". Den Sparkassen stünden weitere schmerzliche Abschreibugnen auf ihre stillen Einlagen bei den Landesbanken bevor. Wenn nicht bald eine bundesweite Landesbanken-Lösung gefunden werde, komme die Basis der Sparkassen in ernsthafte Schwierigkeiten. "Ihre Wettbewerbsfähigkeit dürfte ohnehin durch die unendliche Geschichte der Skandal- und Missmanagement-Fälle von WestLB, LBBW und BayernLB ernsthaft Schaden nehmen", sagte Fleischer dem Handelsblatt. Die Politiker müssten "nun endlich die Zeichen der Zeit akzeptieren, dass die Ära der Landesbanken sich einem raschen Ende neigt".

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  • Ein überfälliger Schritt, der die bayernLb schon seit 12 Monaten belastet.

    Es muss endgültig "aufgeräumt" werden - bei der bayernLb.

    Statt wie die Deutsche bank wieder Milliarden Gewinn zu erwirtschaften, schafteln die Schaftelhuber von der bayernLb noch amateurhaft weiter. Folge: Milliardenverlust 2009, Aussichten: Milliardenverlust 2010.

    Ohne Wenn und Aber - es sollten alle im Verwaltungsrat zurücktreten, die von der Materie keine Ahnung haben (sämtliche Politiker und Sparkassenfunktionäre). Dann müssen neue Rahmengesetze (klare Festlegung des Auftrags und der betätigung der Landesbank) und Verantwortlichkeiten geregelt werden. Das ist überfällig und wird zu zögerlich angegangen, daneben sollte noch schneller sämtliche Töchtergesellschaften zum Verkauf und Auslandsniederlassungen geschlossen werden.

    Das ist eine Aufgabe des Finanzministers Fahrenschon CSU, mehr Druck hinter die Veränderungen zu bekommen. Andernfalls wird der Steuerzahler mit weiteren Steuermilliarden die Verluste seiner Landesbank auch 2010 und 2011 zahlen dürfen.

    Ein Verkauf ist sowieso nur vorstellbar, wenn die Struktur passt und die Risiken unter Kontrolle sind (dies ist sicherlich 2010 - wg. dem schlechten Vorstand) noch nicht der Fall!

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