Sparkassenverband
Ein Offenbacher übernimmt in Frankfurt das Ruder

Offenbach wird gerne als Hinterhof von Frankfurt bezeichnet. Aber genau aus dieser Ecke setzt jetzt ein Mann zum Sprung auf einen der wichtigsten Posten an, den die Mainmetropole in der Finanzbranche zu vergeben hat. Gerhard Grandke muss sich als neuer Sparkassenchef mit den Fusionsgelüsten der Politik auseinandersetzen.

FRANKFURT. Offenbach wird gerne als Hinterhof von Frankfurt bezeichnet. Aber genau aus dieser Ecke setzt jetzt ein Mann zum Sprung auf einen der wichtigsten Posten an, den die Mainmetropole in der Finanzbranche zu vergeben hat. Gerhard Grandke wird heute mit einem Empfang im Mozartsaal der Alten Oper in Frankfurt in das Amt des "Geschäftsführenden Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen" eingeführt. Obwohl der Titel etwas altbacken klingt, bündelt er doch enorme Verantwortung und Macht im öffentlich-rechtlichen Bankenlager. Denn der Verband vertritt nicht nur die Interessen der 50 Sparkassen in der Region, er hat auch ein echtes Pfund zum Wuchern: die 85-prozentige Beteiligung an der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die bisher relativ unbeschadet durch die Krise kam.

Der 54-jährige Grandke verbrachte seine wohl prägendste Zeit von 1990 bis 2006 als Kämmerer und Oberbürgermeister von Offenbach. Während seiner Amtszeit schaffte er es, aus dem chronischen Sozialfall eine "Turnaround-Story" zu zimmern, die über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand. Der als "Linkspragmatiker" etikettierte SPD-Politiker betritt als künftiger Sparkassenpräsident übrigens kein Neuland, denn er war in den vergangenen Jahren sowohl im Sparkassenverband als auch bei der Helaba-Tochter OFB Projektentwicklung mit verschiedenen Leitungsfunktionen betraut.

Mitstreiter bescheinigen Grandke ein zupackendes Wesen und eine hohe Präsenz, nicht nur wegen seiner hünenhaften Größe. Er sei landespolitisch über die Parteigrenzen hinweg bestens vernetzt und habe nie die Bodenhaftung verloren. "Der Grandke reiht sich schön in die Schlange vor dem Käsestand des Offenbacher Wochenmarktes ein, der ist absolut unprätentiös", sagt eine Weggefährtin. Auch gilt der verheiratete Vater zweier Kinder als durchaus humorbegabt, der schon mal absichtlich "Stadtverordnete" in "Stadtvertrocknete" verballhornt haben soll - das ist aber nur mündlich überliefert.

Grandke erbt von seinem Vorgänger Gregor Böhmer - der morgen seinen 65. Geburtstag feiert - ein, wie es so schön heißt, "wohlbestelltes Haus". Böhmer hat die Landesbank in ein Verbundmodell mit den Sparkassen eingepasst, dass sich bewährt hat und als bundesweite Blaupause für eine fruchtbare Zusammenarbeit gilt. Außerdem wurde die freie Frankfurter Sparkasse ins Lager der öffentlich-rechtlichen Institute zurückgeholt, freilich um den Preis, dass die "Fraspa" als Tochter in die Helaba integriert wurde. Eine solche "Vertikalisierung" versuchen die Sparkassen in der Regel zu vermeiden, da sie Konzernbildungen fürchten. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) befürwortet dagegen die Verschmelzung der Rhein-Main-Sparkassen mit der Helaba zu einer starken Regionalbank.

Diese sparkassenpolitische Front wird Grandke erhalten bleiben, die größte Bewährungsprobe werden aber die kommenden Gespräche über eine Fusion mit der Düsseldorfer WestLB. Hier bedarf es viel Fingerspitzengefühl, damit kein Vermögensschaden zulasten der Hessen eintritt. Offiziell beginnt die Amtszeit von Grandke am 1. März. Die üblichen 100 Tage Schonzeit wird er in den jetzigen Zeiten kaum bekommen.

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