Spekulationen über den Wechsel bereits seit Wochen
Wolfgang Bernhard heuert bei VW an

Volkswagen hat ein neues Vorstandsmitglied: den früheren Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard. Damit holt sich der Wolfsburger Autohersteller einen Sanierungsexperten in den zuletzt angeschlagenen Konzern.

HB HAMBURG. Nach monatelangen Verhandlungen hat Volkswagen den Wechsel von Bernhard nach Wolfsburg bestätigt. Ab Februar 2005 soll Bernhard Konzernvorstand werden, zunächst ohne Geschäftsbereich. Spätestens Anfang 2006 werde er jedoch den Vorsitz der Marke Volkswagen übernehmen, teilte VW mit.

Die letzten Details des Vertrages sollen vor wenigen Tagen geklärt worden sein. In Branchenkreisen hieß es, dass der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder zu diesem Zweck zusammen mit Bernhard nach Salzburg zum VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech geflogen ist. Die Verhandlungen seien von Pischetsrieder in die Wege geleitet worden.

Das Präsidium des Aufsichtsrates habe die Personalentscheidung getroffen, die das Kontrollgremium noch am 12. November bestätigen müsse, hieß es von VW weiter. Pischetsrieder erklärte, sobald der seit über einem Jahr laufende Prozess der konsequenten Entflechtung von Marken- und Konzernfunktionen bei Volkswagen vollständig abgeschlossen sei, soll Bernhard die Marke VW eigenständig führen.

Bernhard gilt in der Branche als ausgewiesener Sanierer und Kostensenker. Als COO bei Chrysler hat er maßgeblich zur Sanierung des Unternehmens beigetragen, war allerdings auch mitverantwortlich für die Entlassung von 26 000 Mitarbeitern. Experten bezeichnen ihn als einen Ingenieur mit großem Sachverstand, der wie Pischetsrieder (und auch Piech) "Benzin im Blut" hat.

Bei Daimler des Postens enthoben

Bei VW dürfte er nun ebenfalls für ein Umsteuern sorgen. Die deutschen VW-Werke haben einen Kostennachteil von 11 % gegenüber den inländischen Wettbewerbern, im Vergleich zum Metall-Flächentarifvertrag liegen die Löhne um 20 % höher. Die Aufweichung des Haustarifvertrages ist eines der zenralen Forderungselemente bei den derzeit laufenden Tarifgesprächen, die am Vortag ergebnislos auf den 12. Oktober vertagt wurden.

Bernhard soll den vorliegenden Informationen zufolge mit mehreren Unternehmen verhandelt haben. In Medienberichten war über einen Wechsel zur General Motors Corp (GM), Detroit, in der Funktion als Entwicklungsvorstand spekuliert worden. Bei Daimler-Chrysler hatte der Chrysler-COO den zunächst vorgesehenen Sprung an die Spitze der Mercedes Car Group nicht geschafft. Noch vor der Amtsübernahme im August war er auf Druck der Arbeitnehmerseite und nach internen Differenzen seines Postens wieder enthoben worden.

Piech hatte noch als VW-Vorstandsvorsitzender seinen Nachfolger Pischetsrieder zu VW geholt. Und nun soll er die treibende Kraft für die Einstellung Bernhards gewesen sein. Der Wechsel des als "Kostenkiller" in der Branche bekannten Bernhard ist dringend nötig, denn der Konzernbereich hat im ersten Halbjahr einen nur noch schmalen operativen Gewinn von 33 (319) Mill. Euro erlöst. Im ersten Quartal war sogar ein Verlust von 71 Mill. Euro aufgelaufen.

Vor allem die Absatzschwäche in Deutschland macht dem Konzern zu schaffen. Auf dem US-Markt, den Bernhard als Ex-COO von Chrysler in- und auswendig kennt, stehen Verluste von einer Mrd. Euro im laufenden Jahr an. "Bernhard soll den Laden in Schwung bringen", heißt es dem Unternehmen nahe stehenden Kreisen.

An den Aktienmärkten wurde die Nachricht positiv aufgenommen. Der VW-Kurs stieg bis 14.02 Uhr um 5,1 % auf 33,61 Euro. Analyst Malte Schaumann von SES Research erklärte, dass Bernhard trotz eines harten Sanierungskurses bei Chrysler gute Beziehungen zur mächtigen US-Gewerkschaft UAW bewahrt habe. Bei VW könnte sich dies nach Angaben von Unternehmenskennern auszahlen, denn der Organisationsgrad der IG Metall bei VW liegt bei 97 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%