Spezialist für Sanierungen
Zahlenmensch Pinger ist Favorit der Banken

Alle bisherigen Chefs von Karstadt-Quelle - also Walter Deuss, Wolfgang Urban und auch Christoph Achenbach - verbindet nicht nur der vorzeitige Abgang, sondern auch die enge Beziehung zum Einzelhandel. Das sieht bei Achenbachs Interims-Nachfolger anders aus.

HB ESSEN. Mit Harald Pinger kommt übergangsweise ein Manager an die Spitze des angeschlagenen Unternehmens, der in anderen und ganz unterschiedlichen Branchen seine rasche Karriere absolvierte. Jedoch kennt sich der 45-jährige Zahlenmensch mit Restrukturierungen aus und kommt gut klar mit den Banken - beides Eigenschaften, die der Essener Konzern gebrauchen kann.

Pinger ist erst seit einem halben Jahr bei Karstadt an Bord, wo er das Finanzressort bekleidet. Nun soll er zusätzlich den Vorstand "koordinieren", bis ein neuer Vorstandsvorsitzender ernannt wird. Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Middelhoff hatte Pinger von Messer Griesheim geholt. Dort war er an der Aufteilung des Gaseherstellers beteiligt, von dem 1994 zwei Drittel an den französischen Konkurrenten Air Liquide gingen. Eine Filetierung könnte auch Karstadt-Quelle ins Haus stehen, wird immer wieder gemunkelt. Der 1999 aus einer Fusion hervorgegangene Konzern besteht aus Warenhäusern und dem Versandhandel.

Bei seiner Bestellung hatte Pinger erklärt, er sei sich sicher, dass das Unternehmen "schon bald den Turnaround schaffe". Einstweilen steckt es tief in den roten Zahlen. Abhilfe schaffen sollen eine Neupositionierung im Kerngeschäft mit der Auffrischung von Sortiment und Image sowie die Veräußerung von Randaktivitäten und Engagements, in denen das Management keine Zukunft mehr sieht, etwa den Mode- und Sporthäusern. Zunächst allerdings hatte Pinger in Essen einen Feuerwehreinsatz zu bewältigen, um eine lebenswichtige Kapitalerhöhung in die Wege zu leiten und einen Milliardenkredit der Hausbanken zu sichern.

Das gelang im Dezember - doch der Preis, den Karstadt-Quelle zahlte, ist hoch: Alle Beteiligungen, beispielsweise die am zweitgrößten deutschen Touristikkonzern Thomas Cook, sind verpfändet. Gläubiger sind inzwischen zu einem Großteil Finanzinvestoren, die den Druck noch erhöhen dürften. Mit dieser Spezies kennt sich Pinger indes offenbar gut aus: "Er denkt und agiert wie ein Investmentbanker", heißt es bei Personen, die geschäftlich mit ihm zu tun haben.

In diesen Kreisen wird der schlanke Mann mit dem kurzen grauen Haar als kompetenter, überlegter und robuster Macher beschrieben. Dass er willens und in der Lage ist, sich in eine Branche zu knien, wird ihm von seinem früheren Arbeitgeber bescheinigt. Bei der Messer-Gruppe heißt es überdies, Pinger habe bei den Mitarbeitern große Akzeptanz genossen. Zu dem Hersteller technischer Gase war der verheiratete Manager, der wie Achenbach in Köln Betriebswirtschaft studierte und drei Kinder hat, 2002 als Finanzgeschäftsführer gestoßen.

Erste Station war 1987 der Konsumgüterhersteller Unilever gewesen, von wo aus Pinger 1996 in den Gesundheitskonzern Fresenius wechselte. Im Schnitt hatte er in seiner Laufbahn alle zwei Jahre eine neue Position inne. Tempo legte der Leverkusener auch beim Sport an den Tag: Im Feldhockey brachte er es bis in die Bundesliga.

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