Spin-offs
Angst vor dem Mandantenklau

Sie heißen Greenfort, Nordhues & Cie. oder auch Heymann Insider nennen sie nur kurz Spin-offs: junge Associates oder auch gestandene Partner, die sich in den Mühlen der Großkanzleien nicht mehr wohl fühlen und deshalb den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Ihr Zahl steigt.

GARMISCH. Die Zahl der meist von drei, vier Anwälten initiierten Neugründungen steigt seit der Jahrtausendwende kontinuierlich an. Waren es in der ersten Phase vor allem gestandene Partner, die der Fusionitis deutscher mit amerikanischen und vor allem englischen Anwaltsfabriken den Rücken kehrten, sind es heute meist junge ambitionierte Associates, die ihre eigenen Wege gehen. Denn trotz exzellenter Leistungen bleibt ihnen in den Großkanzleien eine Karriere als Equity-Partner ganz überwiegend versperrt.

Neben einer erstklassigen Ausbildung setzen die Gründer als wichtigstes Startkapital auf ihre in den Großkanzleien gewachsenen persönlichen Kontakte zu den Mandanten, von denen sie wissen oder annehmen, dass diese ihnen in die Selbstständigkeit folgen. Und die Chancen dafür stehen gut, sagt Michael Kliemt, Namenspartner der Düsseldorfer Arbeitsrechtsboutique Kliemt & Vollstaedt, geglücktes Paradebeispiel eines 2002 aus der Arbeitsrechtspraxis der Sozietät Clifford Chance hervorgegangenen Spin-offs. "Die Großkanzleien konzentrieren meist all ihre Energie auf 30 bis 40 Top-Mandanten, mit denen sie 80 Prozent ihres Umsatzes generieren. Ein Nummer-125-Mandant in einer Großkanzlei wird es vorziehen, lieber die Nummer zwei in einer Spin-off-Kanzlei zu sein", beschreibt Kliemt die Gründe, warum Mandanten aus Großkanzleien zu Neugründern abwandern. Dort könnten sie sicher sein, immer persönlich von einem der Partner beraten zu werden und sich nicht wechselnden Ansprechpartnern ausgesetzt zu sehen.

"Ja, es gibt durchaus auch einen Markt unterhalb der Großkanzleien", bestätigt auch Rechtsanwalt Jürgen Breitenstein aus der Kanzlei Schmalz in Frankfurt. "Wir beraten Führungskräfte von der Zehn-Mann-GmbH bis zum börsennotierten Unternehmen im Tagesgeschäft." Denn längst nicht alle Rechtsfragen, die sich im Wirtschaftsleben ergeben, bedürfen der Bearbeitung durch ganze Anwalts-teams.

"Bei einem Unternehmenskauf kann man im Rahmen der Due Diligence zehn Associates ohne direkten Mandantenkontakt in den Datenraum schicken. Bei uns zählt dagegen allein die persönliche Beratung und das daraus resultierende Vertrauen", betont Breitenstein, der im Jahre 2002 zusammen mit 16 Anwälten die Kanzlei Wessing verließ, als diese mit der britischen Sozietät Taylor Joynson Garrett fusionierte. "Wir haben die daraus resultierende Fremdbestimmtheit abgelehnt und wollten außerdem die Kosten für unsere Mandanten akzeptabel halten", begründet Breitenstein die damalige Abspaltung in die Selbstständigkeit.

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