Spitzelaffäre
Früherer Telekom-Mitarbeiter muss ins Gefängnis

Das Bonner Landgericht sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Telekom-Mitarbeiter Klaus Trzeschan die Bespitzelung von Telefonaten zwischen Journalisten und Telekom-Aufsichtsräten geleitet hat. Dafür erhielt er ein hartes Urteil.
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BONN. Mit ernster Miene nimmt Klaus Trzeschan seinen Urteilsspruch entgegen: Zu dreieinhalb Jahren Haft verdonnert das Bonner Landgericht den 60-jährigen Hauptangeklagten in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom. Es ist ein hartes Urteil - es folgt den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Trzeschans Anwalt hatte dagegen für eine reine Geldstrafe plädiert.

Doch der Vorsitzende Richter Klaus Reinhoff wertete die Bespitzelung von Telefonaten zwischen Journalisten und Telekom-Aufsichtsräten, wie Trzeschan sie in den Jahren 2005 und 2006 organisiert hatte, als "massivste Straftaten. Eine Affäre ist etwas anderes, das ist zu tief gegriffen", sagte er. Trzeschan habe Selbstjustiz geübt, als er mit der Schnüffelei versuchte herauszufinden, wer Unternehmensinterna an die Presse weiterleitete.

"Noch ungeheuerlicher" bewertete Reinhoff den Versuch Trzeschans, die Telefondaten von fünf Journalisten vorbeugend zu speichern - um bei künftigen Indiskretionen rückwirkend die Gesprächspartner der Autoren zu enttarnen.

Das Gericht ist zudem davon überzeugt, dass Trzeschan die Telekom in einem anderen Fall betrogen hat und rund 170 000 Euro Firmengelder in die eigene Tasche steckte. Dabei ging es um den angeblichen Aufkauf manipulierter Telefonkarten am Markt. Reinhoff betonte, die Telekom habe es Trzeschan sehr leicht gemacht. Dessen bloßer Hinweis, er ermittele im Auftrag des Vorstandsvorsitzenden, habe ihm Tür und Tor geöffnet. Der damalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hatte Trzeschan beauftragt, die Informanten der Presse zu finden. Er bestreitet aber ebenso wie der ehemalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, von der Spitzelei gewusst zu haben. Beide wurden nicht angeklagt, Zumwinkel verweigerte eine Aussage als Zeuge. Viele halten ihn für den Drahtzieher. "Uns fehlt der Glaube, dass es keine Mitverantwortung im Management gegeben hat", sagt Lothar Schröder, stellvertretender Aufsichtsratchef der Telekom. Selbst Reinhoff deutete an, dass das Gericht nicht alle Fragen klären konnte.

Für Trzeschan ist das Urteil ein schwerer Schlag. Er saß bereits vier Monate in Untersuchungshaft. Diese Zeit wird ihm angerechnet. Von dem Rest wird ihm maximal die Hälfte der Strafe erlassen. Zudem verliert er seinen Beamtenstatus. Seine Pension behält die Telekom ohnehin bis auf ein gesetzlich festgeschriebenes Minimum für Trzeschan, um den entstandenen Schaden auszugleichen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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